Der ideale IT-Arbeitsplatz ist nicht stationär

Dirk ruft hier zu einer Umfrage auf und möchte dabei gerne in Erfahrung bringen, wie der ideale IT-Arbeitsplatz bei jedem von uns aussehen würde. Dazu habe ich während den letzten Jahren einige Ideen und Vorschläge zusammengetragen, die ich bisher leider nur teilweise umsetzen konnte. Im Wesentlichen geht es um die Frage, wo sich der eigene Arbeitsplatz befinden soll.

Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass es nicht mehr notwendig ist, ständig am Arbeitsplatz vor Ort in der Firma zu sitzen, um die Aufgaben eines System Engineers wahrzunehmen. Bei uns trennen wir nicht zwischen System-Administrator und Engineering; wir sind zu klein dafür. Beide Rollen sind in einer Person vereint. Der Hauptteil meiner Arbeitszeit sitze ich an einem PC, der mit verschiedenen Werkzeugen ausgestattet ist, um auf Windows-Server, Linux- und OpenVMS-Systeme und auf das Active Directory, sowie diverse Router, Switches und Firewalls zu gelangen. Bei dieser Aufgabe spielt es keine Rolle, wo ich mich befinde, denn der Zugriff auf die Systeme erfolgt ohnehin über das LAN beziehungsweise WAN. Auch die Zeitachse spielt in vielen Fällen eine untergeordnete Rolle. Lediglich wenn Hardware ausgetauscht werden muss oder neue dazukommt, will ich zu einer bestimmten Zeit in der Firma sein. Oder wenn ich beim Support aushelfe, ist es hilfreich, dort zu sein.

Weltkarte

Weltkarte von Welt-Altas.de

Ansonsten wäre es ohne weiteres möglich, von einem fernen Arbeitsplatz meine Aufgaben zu verrichten. Ich brauche lediglich Internet-Zugang und ein Telefon. Genau diese Thematik wird im Buch Morgen komme ich später rein von Markus Albers besprochen. Dort werden ausserdem die ökologischen und ökonomischen Vorteile dieser Arbeitsweise erörtert. Allerdings gibt es dazu einige Punkte, die ich noch gern anfügen möchte:

Ich mag es sehr, wenn ich meine beruflichen und privaten Tätigkeiten mindestens ansatzweise trennen kann, auch örtlich. Einer Verschmelzung der privaten und professionellen Verpflichtungen sehe ich eher skeptisch gegenüber, obschon sich gewisse Synergien durchaus nutze lassen. So setze ich für die Piketteinsätze am Wochenende meine private Einrichtung ein und arbeite so per VPN von zu Hause aus. Es wäre sinnfrei, wegen ein paar Klicks oder Änderungen an einer Konfigurationsdatei extra in das Geschäft zu fahren. Umgekehrt bleibe ich ab und zu auch mal etwas länger im Geschäft sitzen und arbeite an einer privaten Sache. Aber gesamthaft gesehen mag ich es, wenn sich meine berufliche Arbeit als Angestellter und meiner privaten Tätigkeiten trennen lassen, auch am Arbeitsplatz.

Wir leben in einer modernen Sklaverei. Die Abhängigkeiten sind nach wie vor noch da. Vielleicht etwas schöner, eleganter und attraktiver verpackt, aber im Grunde sind wir noch genau gleich von den ersten paar Tausend Franken im Monat abhängig, wie damals, als die Menschen als Selbstversorger den grössten Teil ihrer Zeit in den Ackerbau investierten oder etwas später während der industriellen Revolution, in der der Proletarier praktisch die gesamte Zeit in die Fabrik steckten. Heute geniessen wir unsere Freizeit und zimmern uns Gedanken zum idealen Arbeitsplatz, aber in der Abhängigkeit stehen wir ebenso wie eh und je. Ob wir nun Arbeitnehmer sind oder Selbständig-Erwerbender oder gar Firmeninhaber, der Besitz von Geld hat die Ernte der Selbstversorger abgelöst. Das ist fast alles, ausser das es bequemer geworden ist und ab und zu ein Überschuss für Ferien und Gadget vorliegt.

Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis daß du wieder zu Erde werdest, davon du genommen bist. Denn du bist Erde und sollst zu Erde werden.

Es wurde uns ja prophezeit. Auch wenn die Bibel für mich kein Referenzwerk darstellt, zitiere ich in diesem Fall gerne daraus. Insofern meine ich, dass der ideale Arbeitsplatz sicherlich eine Rolle in unserem Leben spielen sollte. Aber letztlich handelt es sich um Kosmetik, mit der wir mehr oder weniger versuchen, die Abhängigkeiten zu verbergen und uns eine moderne Gesellschaft einreden wollen, in der es eben jene Abhängigkeit nicht mehr in jener Härte gäbe. Und dennoch liegt mir etwas daran, möglichst komfortabel eine Arbeit zu verrichten, die ich – könnte ich wählen – nicht in der Intensität und auch nicht während einer solch langen Zeit verrichten würde. So komme ich zurück zur Frage von Dirk:

Der ideale IT-Arbeitsplatz in meiner momentanen Aufgabe sehe ich einer Symbiose zwischen Arbeitsplatz im Geschäft und meinem zu Hause. Aber in der Weise, dass primär ich wählen kann, wo ich arbeiten will. Natürlich gibt es Situationen, in den der Betrieb vorgibt, dass ich vor Ort sein muss, aber bei allen andern Gelegenheiten würde ich gerne wählen wollen. Ich denke, dass es in etwa darauf hinauslaufen würde, dass ich zwei Tage die Woche von zu Hause aus arbeiten würde und den Rest vor Ort im Betrieb erledige. Im Moment ist das bei uns nur in Ausnahmefällen erlaubt, die Zeit arbeitet aber in diesem Bereich für meine Idee. Vielleicht ist es bald möglich, knapp die Hälfte der Arbeit von zu Hause aus zu erledigen.

Arbeitszeit vs. Leistung

Hinzukommt, dass ich in einem Umfeld arbeite, in dem es noch immer vorrangig ist, während der vorgegebenen Arbeitszeit anwendend zu sein. Natürlich geht man davon aus, dass ich meine Aufgaben so fein justieren kann, dass deren Erledigungen haargenau in das Zeitfenster meiner Sollarbeitszeit passt. Hier ist ein weiterer Kulturwandel nötig, der wahrscheinlich einher mit der geografischen Vorgabe des Arbeitsplatzes geht: Ich bekomme Aufgaben, für deren Verrichtung ich eine gewisse Zeit beanspruche und nicht umgekehrt. Die Erledigung der Aufgabe ist meinem Arbeitgeber etwas wert und nicht die Zeit, welche ich dafür einsetze. Insofern ist es untergeordnet, wo ich arbeite und wieviel Zeit ich für meine Verpflichtungen einsetzen werde, solange das Ergebnis für beide Seiten akzeptabel ist.

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10 Kommentare to “Der ideale IT-Arbeitsplatz ist nicht stationär”

  1. Dirk DeimekeNo Gravatar schrieb:

    Danke für das Mitmachen! Wir ticken da ziemlich ähnlich.

  2. Gregor FröhlichNo Gravatar schrieb:

    Das mit dem Arbeitsplatz ist so eine Sache. Je nach Anforderung des Unternehmens sind die Vorgaben eigentlich schon gemacht. Ich denke, wenn jemand einen IT Arbeitsplatz hat an dem man sowieso schon den ganzen Tag vor dem Bildschirm sitzen muss und seine Werkzeuge bedienen kann, dann ist ein “virtueller” Arbeitsplatz ohne Probleme möglich. Mein Arbeitsplatz sieht folgendermassen aus: Ich habe 3 verschiedene Aufgaben.

    1. Support
    Beim Support ist es unabdingbar, dass ich innerhalb kürzester Zeit ein Problem lösen kann. Hier passiert es sehr viel, dass ich vorort zum Gerät gehen muss. Also hier, arbeiten am Arbeitsplatz.

    2. Systemtechnik
    Bei der Systemtechnik ist eigentlich die ständige Überwachung das Thema. Die Überwachung ist bei mir zu 99% automatisiert. Ich werde im Notfall über SMS avisiert und kann dann reagieren. Ich kann z.B. auch von zu Hause via VPN auf unser ganzes System zugreiffen. Im extremfall wenn ein Server nicht mehr läuft, dann kann ich auch via HP ILO das System aus/und einschalten. Hier ist das arbeiten vorort nicht Bedingung.

    3. Application Engineering
    Hier denke ich ist das arbeiten vorort keine Bedingung. Einzig bei Fragen gegenüber dem Anwender ist es sinnvoll vorort mit ihm zu sprechen, damit die Kommunikation einfacher und korrekter funktioniert.

    Fazit: Mein idealer Arbeitsplatz ist eine Mischung aus vorort- und remote Arbeiten.

  3. Dirk DeimekeNo Gravatar schrieb:

    Der Arbeitsort ist nur eine Komponente des Arbeitsplatzes. Wie sieht es denn sonst noch aus?

  4. Roman HanhartNo Gravatar schrieb:

    @Dirk: Die Umgebung spielt sicherlich noch eine Rolle; also die nötige Ruhe, aber auch die Entfernung zu meinen Arbeitskollegen. Die sollten möglichst nahe sein, aber nicht zu nahe, damit die Ruhe gewahrt bleibt ;-) Weiter die Ergonomie der Möbel und Einrichtungen und nicht zuletzt den Teil, den ich am Ende des Monats nach Hause trage. Die technischen Parameter sind auch nicht zu verachten (PC, Netzwerk, Internet-Anbindung etc.). Alles in allem setzt sich ein guter Arbeitsplatz aus so vielen Komponenten zusammen, dass man ein Buch darüber schreiben könnte.

  5. Dirk DeimekeNo Gravatar schrieb:

    Nur zu … ;-)

  6. Gregor FröhlichNo Gravatar schrieb:

    Nun ja, neben dem Arbeitsort kommen sicherlich alle Aspekte wie im Buch, das von Roman noch geschrieben wird vor :-) . Eigentlich ist die heutige Welt schon extrem vernetzt. Man kann sich fast überall bewegen und ist immer erreichbar, bzw. kann fast von überall her arbeiten. Ich für hege noch einen Gedanken der mir schon seit längerem nicht mehr aus dem Kopf geht. Ich könnte mir vorstellen auf einer Alp in den schweizer Bergen zu wohnen. Auf dieser Alp hat es ein Haus dass mich schützt und wärmt. Im Haus drin hat es moderne Technik (die man braucht). Als Voraussetzung würde mir Strom und ein Internetanschluss reichen. Damit wären für mich die Voraussetzungen für einen Arbeitsplatz gegeben. Der Rest, das bedeutet der Teil des Altagslebens, wäre dann die Instandhaltung der Arbeitsumgebung, inkl. leiblichen Wohles etc.

    Warum habe ich diesen Gedanken noch nicht umgesetzt ?

    Tja, da ist mir was dazwischen gekommen, aber meine Kinder werden auch einmal erwachsen und flügge. Dannnnnnnnn hole ich mir diesen Gedanken wieder hervor und setze ihn in die Tat um. Bis dann, in den Alpen…

  7. Dirk DeimekeNo Gravatar schrieb:

    Ich hatte diese Idee auch einmal, aber da spielen noch zwei weitere Faktoren eine Rolle. Ich arbeite das einmal in einem weiteren Blogeintrag auf.

  8. MichaNo Gravatar schrieb:

    Wo ein komplett mobiler Arbeitsplatz ist schon eine feine Sache. Ich finde es ja schon ganz OK; dass mein Chef mir die Zeit, die ich im Zug verpendele und am Laptop arbeite anrechnet (ach ja, das mobile Internet ist schon was feines).

  9. Roman HanhartNo Gravatar schrieb:

    @Gregor @Dirk Ein Buch zu diesem Thema werde ich nicht schreiben ;-) Das Thema Buch zerrt mir anderweitig schon genug Freizeit weg.

    Die Idee mit den Alpen und der Technik hat für mich etwas wie ein Klischee oder etwas Kitschigem. Wäre nichts für mich. Ich brauche Freunde und Leben rund um mich, auch wenn ich zwischendurch die Ruhe schätze.

  10. Der ideale IT-Arbeitsplatz : Umfragemiradlo bloggt   schrieb:

    [...] ich meinen Teil geschrieben hatte, las ich die weiteren und anderen Beiträge. Roland,  Roman und ports beschrieben ebenfalls ihren idealen Arbeitsplatz, einige antworteten in den Kommentaren. [...]

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