Freie Kultur – Wesen und Zukunft der Kreativität

Wer eine Idee von mir empfängt, mehrt dadurch sein Wissen, ohne meines zu mindern, ebenso wie derjenige, der seine Kerze an meiner entzündet, dadurch Licht empfängt, ohne mich der Dunkelheit auszusetzen.

Dieses Zitat stammt aus dem Buch Freie Kultur, welches ich am Linux-Tag in Dornbirn beim Open Source Press Verlag gekauft habe. Das Buch schrieb Lawrence Lessing im Jahre 2006, übersetzt haben es Annegret Claushues und Hartmund Pilch. Herr Lessing ist Jurist. Das spürt man deutlich beim Lesen dieses Buches. Es ist zwar ganz interessant, in die Geschichte des Rechtes zu blicken und zu sehen, wie die Angelsachsen und die Neuengländer damit umgegangen und welchen Herausforderungen sie begegnet sind, aber der Titel des Buches ist nach meiner Ansicht nach irreführend. Denn das Buch widmet sich nur ganz am Rande dem eigentlichen Wesen der Kreativität. Vielmehr ist es Juristerei. Das ist ja auch zu erwarten, denn Lessing ist Professor für Recht an der Standard Law School.

Das oben erwähnte Zitat kommt nicht aus der Feder von Lessig, sondern er hat es auch entlehnt. Die Worte soll Thomas Jefferson gesprochen haben. Dem Buch muss ich aber zugute kommen lassen, dass es für Nichtjuristen sehr gut zu lesen ist. An einigen Stellen ist es recht unterhaltend, manchmal etwas langweilig und in die Länge gezogen. Ich hatte teilweise Mühe, weiterzulesen, denn der Inhalt bezieht sich mit wenigen Ausnahmen auf die Vereinigten Staaten von Amerika oder auf England. Obschon wir in einer globalisierten Welt – oder dem, was wir meinen, wäre es – leben und sich dadurch jenes Recht auch in unsere Kultur geschlichen und teilweise Fuss gefasst hat, sind bei uns noch etwas andere Begebenheiten gültig. Für Europa oder eben bei uns in der Eidgenossenschaft ist das Geschriebene nicht immer relevant. Besonders stark wird im Buch die Situation im Internet und das Urheberrecht beleuchtet. Im Zuge der Tauschbörsen im Internet tauchen neue Techniken auf, die das Verteilen von urheberrechtsgeschützen Inhalten nicht nur 1:n, sondern n:n verteilen lassen. Eine potentielle Vermehrung dieser Tauschmöglichkeiten. Die Habgierigen dieser Welt sind also doch nicht so unberührbar, wie sie es gerne hätten.

Mir fehlt bei einem solch trockenen Thema ein ganz wichtiger Bestandteil, den ich hier bis auf ein paar klitzekleine Ausnahmen nicht bemerkt habe: Humor. Das will nicht heissen, dass das Thema nicht Ernst genug wäre, im Gegenteil. Immerhin geht es um die Manifestation unseres Seins. Aber mit etwas Humor wäre das Buch noch etwas leichter geworden und dadurch hätte ich wohl auch alle Teile fertig gelesen und keine angefangenen Kapitel übersprungen.

In einem Punkt hat Herr Lessing allerdings uneingeschränkt Recht: Die aktuelle Situation unseres Rechts – praktisch überall auf dem Globus – schützt die Besitzer von Urheberrechten zu stark und vermindert oder verunmöglicht gar, dass aus deren Grundideen Neues entstehen kann. Es geht in diesem Fall besonders um die Medienindustrie, welche im Zeitalter des Internets noch mehr Schutz beim Gesetzgeber gesucht und bekommen hat. Herr Lessig gibt denn auch einige Vorschläge zu Diskussion, wie diese Situation zugunsten der gesamten Gesellschaft und zulasten einiger wenige Habgierigen verändert werden könnte – natürlich auf dem Weg der Legislative.

Das Buch halte ich für keine Perle, obschon es einige Rezensionen gibt, die daraus hinauslaufen. Vielleicht ist der Titel für einen Amerikaner oder Engländer wertvoller. Dass die Situation im Bereich des Urheberrechts verändert werden muss, ist hoffentlich vielen Internet-Nutzern klar. Für Menschen, die sich wenig oder nicht im Internet bewegen oder sich bisher keine Gedanken zum Urheberrecht gemacht haben, könnte das Buch eine Hilfe sein. Das Buch trägt die ISBN-Nummer 978-3-937514-15-4 und kostet etwa 25 Euro oder 42 Franken.

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Ein Kommentar to “Freie Kultur – Wesen und Zukunft der Kreativität”

  1. BeSNo Gravatar schrieb:

    Alles in allem finde ich das Buch ganz gut. Vorallem die Geschichten ziemlich am Anfang, wie sich das Recht an die Erfindung von Flugzeugen angepasst hat usw. fand ich sehr interessant und verwende ich noch heute gerne als Anekdote, wenn jemand beharlich der Meinung ist, die Menschen und die technische Entwicklung müssten sich an das Gesetzt anpassen und nicht umgekehrt. Allerdings gebe ich dir auch recht, dass es zeitweise etwas trocken ist, wenn auf irgendwelchen US-Gerichtsverfahren herum gekaut wird.

    Daher auch meine Empfehlung: Lawrence Lessig ist ein hervorragender Redner. Wenn man des Englisch mächtig ist und das Thema etwas kurzweiliger behandelt haben will, dann empfehle ich eine seiner zahlreichen Reden die Online zu finden sind. Zum Beispiel “The Read-Write Society” auf dem “Wizard os OS4″: http://wizards-of-os.org/index.php?id=2322

    Wenn ich schon dabei bin, ein Jahr davor hat auch Eben Moglen auf dieser Veranstaltung eine Rede gehalten, meiner Meinung nach sehr hörenswert: http://www.wizards-of-os.org/a.....ynote.html

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