Freie Software und die Gemeinschaft
Je länger je mehr stehe ich auf freie Software. Nicht primär darum, weil sie besser als ClosedSource wäre, sondern weil die Umgebung für mich stimmt. Quelloffene Software weist zwar immer einen Urheber aus und sie hat auch meist einen Besitzer, aber faktisch gehört OpenSource der Gemeinschaft. Dadurch, dass jeder Zugriff auf den Quellcode haben kann, wird sich Wissen ausdehnen. Menschen aus aller Welt arbeiten an Applikationen, tauschen sich aus, lernen voneinander und geben das erworbene Wissen zum Beispiel in Form der GPL weiter. Bei ClosedSource ist das bloss in einem sehr engen und streng bewachten Kreis möglich. Oft wird dort mehr Energie für die Geheimhaltung und Markenrechte vergeudet, statt für die Qualität der Software.
Ja, ja, ich weiss, ich hör schon auf! Natürlich gibt es auch Nachteile bei einer OpenSource-Lösung (man denke da zum Beispiel an die Einhaltung von Release-Zyklen oder an die akrobatischen Höchstleistungen im zwischenmenschlichen Bereich) und in manchen Fällen ist quellversperrte Software die bessere Wahl. Ich stehe keinesfalls dem Kommerz im Weg, schliesslich nutze ich ausreichend kostenpflichtigen Support im Geschäft im Rahmen von OpenSource-Lösungen. Aber ich stehe halt auf Gemeinschaften, die sich wegen einer Ideologie zusammentun und nicht primär wegen den Batzen. Wir brauchen alle Geld und leider ist das Tauschmittel bis zur Deckung der Grundbedürfnisse zum wichtigsten Gut in unserer Gesellschaft verkommen. Ohne Geld geht nichts mehr.
Und just in solchen Momenten, in denen mir diese Abhängigkeiten durch den Kopf rauschen, erachte ich die unsere Community rund um OpenSource und Linux als erfolgreiches “Gegenmittel”. Ich kann zwar damit keinen Durst löschen und kein Brot kaufen, aber ich fühle mich wohl, tanke auf und geniesse die Momente bei meinen Freunden, die ähnlich ticken und der Gemeinschaft einen besonderen Stellenwert einräumen. Ich bin kein Programmierer und kann mit einem Quelltext nicht sehr viel anfangen, geschweige ihn zu verbessern oder zu ergänzen. Aber immerhin kann ich die Community “metamässig” unterstützen und hier und da meinen Beitrag leisten. Und das gefällt mir, dafür gebe ich gerne einen Teil meiner Freizeit her. Zumal ich auf diesem Weg auch wieder zu meiner Anerkennung komme, die ja in der Welt der Wirtschaft eher etwas spärlicher versprüht wird.
Die Frage der Kosten tritt bei mir nicht auf. ClosedSource-Software kostet Geld, OpenSource-Projekte auch. Werden sie als Hobby in der Freizeit gepflegt, sieht es noch etwas anders aus, aber “Grossunternehmen” wie Mozilla stehen ebenso in Abhängigkeit zum Geld, bloss wird es anders eingenommen. Ob ich nun ein Windows kaufen würde, oder jedes Jahr Gnome 300 Euro überweise, kommt auf das Selbe raus, finanziell meine ich. Deswegen spielt für mich der Preis einer Software ab der Stange keine grosse Rolle, vielmehr ist es das Umfeld, das mich anzieht.
Und so freue ich mich auf die Zusammenarbeit bei DeimHart.net mit Dirk und weiteren Menschen, auf die Herausforderungen bei RadioTux und den Jungs dort, aber auch auf die Events wie die OpenExpo, an der ich ein kurzes Intermezzo am Ubuntu-Stand leisten darf und natürlich auf die grosse Community-Veranstaltung von Ubuntu im deutschsprachigen Raum, der Ubucon und ebenfalls auf unsere Ubuntu-Party. Es macht Spass in unserer Community. Und ja, das wollte ich einmal loswerden.



07. September 2009 um 09:59:40 Uhr
Toller Artikel! Du sprichst mir aus der Seele.
Tatsächlich finde ich – genauso wie Du – die Anerkennung und den Respekt wichtiger als das Geld (unter der Voraussetzung, dass die Grundbedürfnisse gestillt sind).
07. September 2009 um 10:30:54 Uhr
Sehr schöner Artikel
07. September 2009 um 11:02:59 Uhr
Schöner Artikel!!!
07. September 2009 um 17:00:43 Uhr
ein schöner artikel, doch nichts neues
wo und wann trifft man dich an der openexpo? werde sicher dort sein und einen bericht für radio stadtfilter zusammenschustern.
gruss aus winti
07. September 2009 um 18:03:40 Uhr
ohne Geld geht tatsächlich nix. aber es gibt eine Lösung: Bedingungsloses Grundeinkommen! Dazu gibts einen super Film (100min, siehe HP).
viel Spass!
08. September 2009 um 08:36:08 Uhr
@killrays: Zum Glück ist nichts Neues dabei
Ich bin am 23. September am Vormittag und am Nachmittag bis etwa um 15:00 Uhr dort. Siehe auch die Planung dazu: https://wiki.ubuntu.com/SwissTeam/OpenExpo/2009-Winterthur
Freue mich, Dich zu treffen, hoffentlich klappt es!
@V: Bin mir nicht so sicher, ob das bedingungslose Grundeinkommen der Schlüssel zur Lösung wäre. Ich stehe eher auf bedingungslose Deckung der Grundbedürfnisse ausserhalb der Wirtschaft. Aber das ist wohl Geschmackssache