Manuell ist manchmal besser
Es gibt sie ja in mannigfaltiger Auswahl, auch für Linux: Die Tools, mit denen wir unsere Organisation verbessern sollten, unsere Zeit verwalten würden und all unsere Aufgaben so planen und durchführen, dass keine Konflikte auftauchen. Abgesehen davon, dass diese Tools nicht immer das Gelbe vom Ei sind, ist vielen Menschen nicht bewusst, welches denn tatsächlich ihre wirkliche Herausforderung ist. Denn meist sind die nicht organisatorischer, sondern disziplinarischer Natur. Beide Gattungen kennen kausale Zusammenhänge, stammen aber aus einer andern Quelle. Und so passiert es oft, dass Tools wie Getting Things Gnome oder XMind, Freemind, Kplato, Planner, OpenProj, GanttProject, aber auch Adobe Air bietet einige Werkzeuge an, etwas leisten sollten, das sie gar nicht können.
Wir leben im Zeitalter der Digitalisierung und glauben gerne, dass Computer uns unsere Entscheidungen abnehmen würden. Tun sie aber nicht. Wir glauben gerne, dass wir das Lernen an Computern delegieren können. Geht aber nicht. Und wir glauben gerne, dass Disziplin in der Hype-Ära des Individuums nicht mehr nötig wäre. Ist aber nicht so. All diesen Herausforderungen stehe ich gegenüber und meine manchmal wirklich, das gute, alte ThinkPad würde zusammen mit den Wolken da draussen im Internet meine Organisation abbilden und sie so aufreihen, dass alles glatt läuft. Blödsinn.
Deswegen habe ich mich schon vor Jahren dazu entschieden, meine Zeit mit Buntstiften, Füllfeder und manueller Taschenagenda zu planen. Prinzipiell ist da kein Unterschied zur digitalen Version zu sehen, ausser eben, dass ich der digitalen Version Intelligenz zumute, bei der manuellen Version aber meine ureigene Intelligenz, meinen gesunden Menschenverstand einsetze. Ausserdem verfügt nicht ein Computer über meine Zeit, sondern ich tue es direkt mit der Füllfeder. Klar, im Endeffekt ist die Feder und die manuelle Agenda nichts weiter, als ein Werkzeug, genaus so wie Evolution oder Outlook. Aber ich nutze meine Mechanismen und nicht jene, welche einst ein Entwickler dem PIM eingehaucht hat. Es ist meine Zeit und daher nutze ich meine Werkzeuge, sie zu verwalten.

Das selbe erfahre ich bei der Gestaltung von MindMaps. Sie gelingen mir besser, treffender und vor allem ausgiebiger, wenn ich sie von Hand mit Buntstiften und einem Blatt Papier erstelle. Die Ideen fliessen besser, es sind meine Bewegungen, die dem Gedankenfluss folgen. Und das Papier ist ein Zeugnis, ein Manifest meiner Arbeit und nicht bloss ein Ausdruck aus einem Drucker.
Natürlich gibt es Situationen, bei denen ich digitale Versionen nutze oder gar benutzen muss. Im Geschäft ist Outlook Vorschrift, beim Erstellen von gemeinsamen Dokumenten eignet sich eine digitale Version wie ein Wiki oder eine andere Lösung deutlich besser. Und es gibt sie tatsächlich: Die Menschen, die mit der digitalen Lösung besser zurechtkommen. Vor allem jüngere Leute, die sich heutzutage schon (fast) gar nichts mehr von Hand notieren können, kennen wohl nicht mehr viel anderes. Jedem das Seine.
Für mich ist die manuelle Version oft die bessere Lösung. Mein Jahrgang ist ja mittlerweile nicht mehr blutjung und so überrascht es vielleicht weniger, dass ich privat keine digitale Agenda nutze; kein Kalender im Palm oder im Handy, kein Sunbird oder auch kein Evolution. Sondern eben meine gute, alte Moleskine-Agenda, die soeben in der 18-Monate-Version für Juni 2009 bis Dezember 2010 bei mir im Briefkasten lag. Links auf einer Doppelseite angebracht ist jeweils eine Kalenderwoche, das rechte Blatt ist frei für Notizen. Damit bleibt meine Zeit eher die meine, weil ich von Hand über sie bestimme(n) lasse.


25. Mai 2009 um 09:20:52 Uhr
Ich habe beides ausprobiert, papier + digital, und mir hat beides nicht zugesagt. Deshalb hab ich nun gar keine Agenda.
25. Mai 2009 um 09:27:51 Uhr
Guten Morgen,
ein schöner Text.
Ich bin einer aus dieser jungen Generation, warum unterstellst du mir, dass ich mir “(fast) gar nichts mehr von Hand notieren” kann? Ich tippe einfach mal es war nicht so gemeint
Alles hat seine Vor- und seine Nachteile, dafür liebe ich gerade den OpenSource-Gedanken, man kann frei wählen und anpassen wie man möchte, aber auf Grund seiner freien Wahl würde ich niemandem etwas unterstellen.
25. Mai 2009 um 09:57:10 Uhr
An solchen Artikeln sehe ich, dass wir über weite Strecken wirklich “gleich ticken”. Man muss nicht etwas digital machen, weil es machbar ist.
Ich bin der Meinung, dass man für jede Aufgabe das am besten passende Werkzeug aus dem eigenen Werkzeugkasten auswählen sollte. Das muss nicht zwangsweise etwas digitales sein.
Auf der anderen Seite heisst das natürlich auch, dass man neue Werkzeuge erst einmal ausprobieren muss, um festzustellen wie und wofür sie sich am besten einsetzen lassen.
Terminplanung ist ein gutes Beispiel. Terminplanung für Gruppen lässt sich meiner Meinung nach besser Digital abbilden, Terminplanung für (wenige) Einzelpersonen besser analog.
25. Mai 2009 um 10:00:06 Uhr
@Simon: Das ist die komfortabelste aller Lösungen
@diego: Ich unterstelle niemanden etwas, sondern gebe bloss meine Erfahrungen wieder
Ja, der OPenSource-Gedanke ist eine edle Sache!
@DirK: Ja, das stimmt, ich laufe auch in Gefahr, wenn ich ein Tool für mich gefunden habe, das passt, dass ich dann nur noch “widerwillig” neue Lösungen ansehe. Offenheit ist hier gefragt, aber auch das Bewährte schätzen wissen.
25. Mai 2009 um 10:06:20 Uhr
@Roman: Es gibt das geflügelte Wort “Mit dem Computer lernen wir Probleme zu lösen, die wir ohne ihn nicht hätten:”. Dazu darf es nicht kommen. Ein Computer ist kein Selbstzweck.
Ebenso sollte das Werkzeug nicht die Arbeitsweise vorgeben, das mache ich lieber selber …
25. Mai 2009 um 10:10:35 Uhr
Meistens geht es manuell auch schneller. Wenn es allerdings um Projekte geht, gebe ich Dirk recht – da ist digital sicher die passende Wahl.