Soziale Netzwerke sind oft nur Ballast
Nun habe ich endlich meine beiden Lieblingsfeindbilder in Sachen Soziale Netzwerke zur berauschendsten Erfüllung gebracht. Bei Twitter und Facebook löschte ich meine Accounts. Ich gehöre wohl zu den Menschen, die den Nutzen solcher Netzwerke entweder nicht verstehen, oder einfach nicht so funktionieren, um daran teilhaben zu können. Ich bin der Meinung, dass Twitter und Facebook darauf ausgelegt sind, Quantität statt Qualität zu liefern. Das meine ich nicht technisch, sondern inhaltlich. Je mehr Follower, um so besser, je mehr Informationen über das seichte Privatleben anderer, umso toller. Und das alles noch möglichst so zusammengetragen, dass mathematische Höchstleistungen notwendig sind, um die Vernetzung von der Irrelevanz A mit derjenigen von B zu verbinden, welche wiederum als neue, imaginär erschaffene Irrelevanz C mit A und B eine Verbindung suchen, die dann abermals zu einer neuen Instanz innerhalb der irrelevanten Informationen erkoren wird. Schwachsinn ist ein starkes Wort. Ich bin geneigt, es hier zu verwenden, um jene Dienste zu beschreiben.
Das Bild “Feuchtes Spinnennetz im Gegenlicht” stammt von Academic dictionaries and encyclopedias.
Freilich, es tragen sich in diesen Diensten auch sinnreiche Ereignisse zu. Immerhin nutze ich identi.ca, das ja zu Twitter – mindestens technisch gesehen – keinen Unterschied macht. Bei identi.ca habe ich einfach besser ausgewählt, wem ich folge und wem nicht. Es ist also nicht das System, das nichts taugt, sondern meine Entscheidungen, wozu ich diese Dienste nutzen will oder wollte, waren nicht auf mich zugeschnitten. Insofern sind nicht die Dienste falsch aufgezogen, sondern meine Nutzung davon war nicht optimal. Gerade Facebook ist ein Dienst, der für meine Verhältnisse nichts bringt. Deswegen nutze ich ihn schon sehr lange nicht mehr und nun ist mein Account gelöscht worden.
Ich werde den Verdacht nicht ganz los, dass es bei vielen dieser Dienste um die Schläuche und nicht um den Wein geht. Oder anders gesagt: Das technische Zeug rund um Facebook und Twitter scheinen eine magische Anziehungskraft auf Menschen auszuüben. Spannend sind die Funktionen, nicht primär der Inhalt. Der Nagel ist nicht das Bild. Der Zweck ist nicht der Sinn.
Immer wieder höre ich, wie sich viele Menschen auf Facebook organisieren, Informationen austauschen und imaginäre Plattformen bilden. Das ist gut so und es wäre fatal, das Ganze zu bremsen oder zu stoppen. Aber ich will mir nicht die Zeit nehmen, dort zu verweilen und dort meine Informationen zu hinterlassen und welche zu suchen. Wahrscheinlich werde ich langsam alt; und das ich auch gut so. Denn jetzt fühle ich mich deutlich wohler und freier. Hinweg mit dem Ballast, der nichts bringt!



30. Dezember 2009 um 13:12:06 Uhr
Was Facebook angeht, stimme ich dir voll zu. Bei Twitter sehe ich das ein wenig anders. Ich hab auch erst probleme gehabt. Nun aber hab ich mir genau die rausgesucht, wie du bei Identica, wo ich übrigens auch bin, die ich auch folgen will. WAs mich aber echt anndervt sind diese Tweets mit den Toplisten. Die 20 besten Tools, die weissichnochalles. Das geht echt mit der Zeit auf den nerv, diese Tweets habe ich aus meinen Follower rausgeschmissen. Ich verstehe auch nicht, wieso man soviele Follower haben muss.
Bei Identica finde ich die Gruppenfunktion sehr gut, bei Twitter gibts leider nur diese Listings. Aber man könnte genauso drüber streiten ob ein Blog als Forum genutzt werden kann oder WP als CMS. Beides würde ich absolut verneinen. Ein Blog ist ein Blog und kein Forum und WordPress ist eine Blogsoftware und kein CMS wie drupal oder Joomla.
Aber wie immer ein sehr schöner Artikel ;D
30. Dezember 2009 um 16:39:28 Uhr
Ich bin der Meinung, dass man sich zu keinem sozialen Netzwerk drängen lassen sollte. Soziale Netzwerke haben Vorteile aber auch ganz klare Nachteile. Es kommt meiner Meinung nach auf den Einzelfall an, zu welchem Zweck man welches Netzwerk nutzen möchte. Hierbei muss man eben auch überlegen, welche Daten man von sich preis geben möchte und was mit diesen Daten in Zukunft passieren kann.
Aus diesem Grund habe ich meinen Account im studiVZ gelöscht und bin über meine Entscheidung eigentlich auch ganz glücklich. Neulich hat eine Kommilitonin angerufen und mir gesagt, dass ein Foto von mir im studiVZ veröffentlicht worden ist, auf dem ich gerade ein alkoholisches Getränk zu mir nehme. So etwas ärgert mich dann doch und ich weiß schon was ich hören werde, wenn ich mit der Person rede und verlangen werde das Bild zu löschen:
Wie bist du denn drauf?
Wie dem auch sei:
Auch ich musste feststellen, dass twitter immer schlechter wird. Dieser durchaus gute Dienst wurde in letzter Zeit immer mehr vom Marketing entdeckt und ist somit immer mehr Spam ausgesetzt. Technisch betrachtet finde ich es bei twitter schön, dass es sofort einen “Benutzer ignorieren und als Spam melden” Button gibt. Bei identi.ca gibt es nur einen “Benutzer ignorieren” Button. Bei beiden Diensten vermisse ich eigentlich einen wirklichen echten Spamfilter.
Aber generell finde ich auch, dass identi.ca derzeit besser als twitter ist. Twitter nutze ich fast gar nicht mehr – außer zum posten neuer Beiträge (denn die 111 Leser lasse ich nicht im Stich). Wirklich nutzen? Ganz klar: Nur identi.ca.
Wie dem auch sei – diese Thematik ist zu vielschichtig und ich habe meine ganzen Kritik Punkte in vielen einzelnen Beiträgen publiziert. Ich denke, es ist schlicht weg nicht möglich alle positiven und negativen Aspekte in einem Beitrag zusammen zu fassen.
Nur eines noch:
twitter und identi.ca sind für mich kein klassisches social Network – sondern ein microblog oder auch persönlicher Newsticker. Das ist etwas völlig anderes.
30. Dezember 2009 um 21:32:16 Uhr
Ich nutze gerade Facebook, um zu ein paar guten Bekannten Kontakt zu halten. Letztenendes ist der Nutzen aber wirklich begrenzt. Twitter nutze ich nur passiv, da folge ich etwas 10 Leuten und identi.ca nutze ich wirklich aktiv.
01. Januar 2010 um 13:25:22 Uhr
Hi Roman,
fragte mich die ganze Zeit, warum “der Yoda” nicht mehr aktualisiert wird, dabei bist Du hier aktiv…
Der Artikel spricht mir aus der Seele. Neujahrsgrüße aus Rhein-Main
01. Januar 2010 um 17:30:23 Uhr
Schön, von Dir zu lesen, Christoph. Ja, yoda.ch lasse ich mindestens im Moment ruhen. Ich muss meine Kräfte bündeln; bin schon verzettelt genug