UNIX – Das umfassende Handbuch
Aus der Reihe “Das umfassende Handbuch” von Galileo-Press gibt es natürlich auch ein Buch zum Thema UNIX. Geschrieben hat es Arnold Willemer im Jahre 2008. Gleich zu Beginn des Buches kommt meiner Meinung nach etwas Wesentliches zur Sprache: Ohne UNIX gäbe es kein Linux und ohne Linux wäre heutzutage das Erbe von UNIX bis auf ein paar wenige Ausnahmen versickert. Ausserdem lese ich in der Einleitung Inhalte, die ich sehr gerne mag: Schilderungen, weshalb sich UNIX bis heute gut erhalten hat und wo die Vorteile gegenüber andern Betriebssystemen – vor allem natürlich gegenüber Windows – liegen. Ich bin gar kein “Betriebssystem-Basher”, davon halte ich nichts. Aber es gibt faktische und rationale Vor- und Nachteile bei den einzelnen Betriebssystemen, und da liegt halt UNIX und Linux in manchen Dingen auch heute noch weit vorne. Allerdings gibt es auch Nachteile bei UNIX und Linux, das ist klar.
Das Buch richtet sich denn auch an UNIX- und Linux-Benutzer, von der Stufe her gesehen eher an die Einsteiger oder Anfänger. Die einzelnen Themen werden zwar recht tief behandelt, der Einstieg ist jeweils so ausgestattet, dass wenig bis kein Vorwissen – bis auf die vorausgehenden Kapitel in diesem Buch – notwendig sind, um die Inhalte verstehen zu können. Das Buch liest sich bequem, es wurde in einem sauberen Deutsch verfasst, Fremdwörter kommen nur im technischen Kontext vor, wo sie auch sinnvoll eingesetzt sind. Zunächst dachte ich, dass das Buch wohl mehr oder weniger ein Parallel-Titel von Linux – Das umfassende Handbuch sein könnte. Unix und Linux sind ja eng verwandt und wer ein Unix bedienen kann, wird auch mit einem Linux umgehen können und umgekehrt. Tatsächlich sind viele Kapitel identisch, die Herangehensweise ist aber bei diesem Titel eine ganz andere, der Sprachstil differiert stark und auch der Aufbau des Buches. Zwar geht es letztlich (fast) um das Selbe. Auf dem Buchdeckel vom UNIX-Handbuch ist zu lesen, dass der Titel für alle UNIX- und Linux-Systeme geeignet wäre. Dem stimme ich soweit zu, würde aber für einen Linux-User ganz klar das Handbuch für Linux empfehlen und für UNIX-Anfänger dieses Buch.
Der Titel umfasst 1026 Seiten, hat keine DVD oder CD beigelegt, verfügt aber über das Galileo Buch Update, mit dem online nach Anpassungen, Korrekturen und Erweiterungen zu diesem Buch gesucht werden kann.
Meiner Meinung nach ist das dritte Kapitel Administration am besten und am ausführlichsten ausgefallen. Es ist wohl auch eines der wichtigsten in diesem Buch beschreibt es doch, wie ein Unix-System zu bedienen und zu verwalten und zu pflegen ist. Auch für Benutzer, die Unix schon etwas kennen, wird sich hier sehr viel Neues eröffnen. Der Fokus liegt hier ganz klar bei einem Mehrbenutzer-System, an dem auch tatsächlich mehrere User gleichzeitig arbeiten. Es gibt zwar ein Kapitel, in dem der Betrieb als Server im Detail beschrieben wird, aber bereits beim Administrationsteil kommt der Leser schon richtig auf die Kosten, was den Server-Betrieb betrifft.
Nebst den andern Kapiteln wie Netzwerk, Server und X-Window gibt es noch dasjenige der Programmierung. Für Einsteiger dürfte dieses Kapitel hochinteressant sein, denn auch Perl und Python kommen zur Sprache. Dort gibt es auch Beispiele, die direkt getestet werden können. Ich habe mir dazu eine virtuelle FreeBSD-Instanz bereitgestellt. Und natürlich kommt auch die Shell hier noch einmal ausführlich zum Vorschein. Dieses Kapitel finde ich ebenso spannend und lehrreich.
Wer ein Unix-System als Server betreiben möchte, findet in diesem Buch sehr viele Tipps, Anhaltspunkte und natürlich auch Vorgehensweisen, wie ein solcher Server betrieben und vor allem parametrisiert wird. Die Themen dort sind sehr breit angelegt, NFS und Mail bilden wichtige Pfeiler, aber auch Datenbanken und Webserver.
Daneben sind in diesem Buch mannigfaltige Anleitungen, Schilderungen und Beschreibungen zum Thema Unix und Desktop zu finden. Es gibt ja Menschen, die Unix auf einem Desktop-Rechner betreiben (wollen). Dazu gehöre ich nicht; ich bin der Meinung, dass ein Unix in das Rechenzentrum gehört und nicht an den Schreibtisch. Dafür haben wir ja Linux – obschon auch das in unserem Rechenzeitrum zu finden ist. Aber die Geschmäcker, Anforderungen und Interessen sind ja verschieden und für die Exoten unter uns (Oder sind Unix-Desktöpler keine Exoten mehr?) gibt es also reichlich Stoff in diesem Buch.
Unix – Das umfassende Handbuch trägt die ISBN-Nummer 978-3-8362-1071-3 und ist im Handel für knapp 60 Euro zu kaufen.



29. Januar 2010 um 10:53:26 Uhr
Hi und danke für die Infos
Schön mal etwas über den Inhalt zu erfahren, weil ich schon länger mit dem Gedanken spiele, mir dieses Buch zu holen. Ich habe schon einige Linux Bücher, aber noch kein richtiges Unix Buch. Ich habe ein Linux/Unix Grundlagen vom Addison-Wesley Verlag in der 5. Auflage und muss sagen, es ist ganz gut soweit. Nicht immer verständlich, bei genauem Hinsehen enträtselt man aber einiges dann schon.
Was besonders für mich interessant ist, das es Methoden gibt, die man unter Linux umsetzen kann, es aber weniger bis kaum bekannt ist. Dafür aber dennoch sehr praktische Dinge sein können. Also Befehle, Tipps, Programme und Tools usw. Allein schon deshalb möchte ich dieses Buch irgendwann mal holen. Man lernt nie aus ^^
mfg und danke nochmals für den Beitrag.
29. Januar 2010 um 14:11:15 Uhr
Dann wirst Du im dritten Kapitel sehr viel erfahren können. Dort sind einige Dinge drin, die mich faszinieren und die für mich nicht zum Linux- oder Unix-Alltag gehörten. Das Buch gibt es leider nicht als OpenBook. Dafür gibt es hier eine Leseprobe: http://www.galileocomputing.de.....g_unix.pdf
31. Januar 2010 um 17:14:43 Uhr
Vielen Dank für die Rezension, die ist sehr gelungen. Ich habe Wie werde ich UNIX-Guru? von Willemer gelesen und beide Bücher scheinen sich zu überschneiden, wenn ich das bei dir und im Inhaltsverzeichnis des Buchs richtig sehe.
Aber eine Anmerkung habe ich: Es heißt X-Window-System und nicht X-Windows, also ohne “s” wie bei Windows.
31. Januar 2010 um 17:53:47 Uhr
Danke für den Hinweis, Christian! Ich habe den Fehler geflickt.