Der Desktop Globus Marble

Google Earth kennt ja mittlerweile fast jeder Internaut. Dazu gibt es auch eine Variante für Linux und Ubuntu. Marble ist vom Grundgedanken her in etwa das selbe, wird aber nicht von einer 3D-Hardware-Optimierung unterstützt. Ursprünglich wurde es für KDE geschrieben, entstammt denn auch dem KDE Education Project, aber es gibt auch eine Version für Gnome und weitere Varianten. Das Programm lässt sich einfach und rasch installieren:

sudo apt-get install marble

Die Stärken der Anwendung liegen aus meiner Sicht vor allem in der Einbindung von den OpenStreetMap-Daten, damit lässt sich einiges anstellen. Zwar können in den andern Ansichten auch Entfernungen gemessen oder Informationen zu Städten angefordert werden, aber die Essenz ist im Vergleich zu Google Earth eher spartanisch.

In der Standard-Atlas-Ansicht zeigt das Bild oben der maximale Fokus, näher an die Landschaft oder an Objekte heranzoomen geht nicht. Rechts ist der Bodensee zu sehen. Die Städtenamen sind mit Links versehen, mit denen entweder ein Haltepunkt gesetzt oder weitere Informationen abgerufen werden können.

Immerhin sind bei Zürich Angaben wie die Koordinaten, die Population oder die Nation zu sehen. Mit der zweiten Reiterkarte gelangt man zu Informationen aus Wikipedia. In der “OpenStreetMap-Ansicht” sieht das Ganze dann aber wesentlich leistungsfähiger aus.

Ohnehin bin ich der Meinung, dass im Projekt OpenStreetMap eine grosse Zukunft liegt und deswegen denke ich, liegt Marble ganz richtig, wenn die Anwendung solches freies Kartenmaterial anzieht. Dort sehe ich auch den (noch) einzigen Nutzen von Marble. Die andern Ansichten und Informationen sind aus meiner Sicht noch zu dünn gesät und bieten keinen echten Nutzen, ausser etwas Spielerei. Und wer Freude an solchen Spielen hat, wird sich wohl nicht allzulange gedulden und Google Earth herunterladen. Jene Anwendung ist noch immer – auch unter Linux – eine ganz andere Liga.

Freilich, Google Earth ist nicht frei, hingegen Marble schon. Allerdings sehe ich mit der aktuellen Ausstattung von Marble noch keinen Mehrwert, ansatzweise in der Anbindung der OpenStreetMap-Daten. Es kann aber auch sein, dass das Teil unter KDE mehr zu leisten vermag. Ausserdem schlummern in OpenSource-Projekten meist ungeahnte Kräfte und alles, was noch nicht ist, kann noch werden.

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6 Kommentare to “Der Desktop Globus Marble”

  1. MartinNo Gravatar schrieb:

    Bei dem was du als Version für GNOME bezeichnest, meinst du wohl die reine Qt 4 Version. Es existiert kein GTK+ Port. Ok man kann jetzt die Qt 4 Version als GNOME Variante bezeichnen, weil man die KDE Abhängigkeiten nicht braucht.

    Unter KDE bietet Marble einen Mehrwert. Es kann einfach in anderen Anwendungen integriert werden. So kann man es zum Geotagging von Bildern verwenden und auch sonst noch schöne Sachen machen.

    Für mich ist Marble der Ersatz für Google Earth. Klar man hat noch keine Hochauflösenden Satellitenbilder – geht ja auch nicht, und dass es kein 3D kann, nun denn, schaut man sich einmal Marble an, merkt man, dass man das nicht braucht ;-) Übrigens Marble ist eine edu Anwendung und das merkt man auch. Sachen wie Historische Karte (erst ab KDE 4.2) oder weltweite Niederschläge im Juli und Dezember finde ich halt einfach nur genial und super für Lehrer und Schüler.

    Mein Fazit: auch wenn ich Marble jetzt nicht täglich benutze, ist es meine Lieblings-KDE 4 Anwendung.

  2. Torsten RahnNo Gravatar schrieb:

    Hi Martin,

    > hat noch keine Hochauflösenden Satellitenbilder –
    > geht ja auch nicht

    Hochauflösender als das jetzige geht schon: Und zwar deutlich …

    Ich habe mir gerade Datenmaterial heruntergeladen, das eine Auflösung bis auf 30m pro Pixel bietet. Die aktuelle Satelliten-Karte bietet etwa 500m/pixel. Ich muss mich jetzt nur noch ein bischen motivieren, dass ich über die Weihnachtsferien das Datenmaterial so aufbereite, dass Marble damit umgehen kann (und so, dass wir künftig keine Änderungen daran auf dem Server vornehmen müssen).

    Häuser sieht man dann natürlich immer noch nicht: Aber wir sind dann schon einen kurzen Schritt davor:
    Wir haben dann das ausgereitzt, was man mit öffentlichen Satellitenaufnahmen machen kann und
    können uns anschließend im nächsten Jahr auf die Aquise von Luftbildern konzentrieren (Das ist in der Tat ein wenig schwieriger, weil es dort keinen einzelnen flächendeckenden Datensatz gibt).

    Softwareseitig hat Marble übrigens derzeit kein theoretisches Limit für die “Auflösung” des Bildmaterials — wenn wir Bildmaterial hätten, das eine Auflösung von 1 mm / Pixel hätte, dann könnte Marble das anzeigen. Es geht also lediglich darum, bestehende Daten so aufzuarbeiten, dass sie in Marble verwendet werden können (Bei Luftbildern wären das Flächendeckend schon ein paar Terabyte …).

    > dass es kein 3D kann, nun denn, schaut man
    > sich einmal Marble an, merkt man, dass man
    > das nicht braucht ;-)

    Das sehen wir auch so. Ich denke, selbst 90% der Google Earth-Nutzer da draußen nutzen Google Earth aus der Vogelperspektive heraus: Einfach, weil der Tilt-Mode in puncto Bedienung (bewusst) versteckt ist. Zum anderen dient er hauptsächlich dem Entertainment (wenn man mal vom speziellen Fall der Hobbyforscher, die damit Atlantis entdecken absieht).

    Darum haben wir uns erst einmal darauf konzentriert, Marble mit reinem 2D laufen zu lassen, damit Marble definitiv überall funktioniert (auch auf zum Teil grottig-schlecht oder gar nicht unterstützten Linux-Treibern).
    Trotzdem hätte ich gerne im nächsten Jahr schon ein optionales echtes Hardware-3D-Frontend, das bei Bedarf dazugeschaltet werden kann.

    > Übrigens Marble ist eine edu Anwendung und
    > das merkt man auch.

    Richtig. Das ist für die Hauptanwendung in KDE derzeit noch immer unser erster Hauptfocus. Und ich denke, dass wir gerade dort punkten können.

    Unsere Vorsätze für 2009 sehen jedoch vor, den Focus schrittweise zu erweitern.

    Danke Roman, für den schönen Blogeintrag. Und danke Martin für Deine Nutzersicht. Solch ein Feedback hilft uns immer bei der Weiterentwicklung von Marble — denn die geht in schnellen Schritten voran: Marble ist derzeit etwa 3-4 Jahre alt (Die Software hinter Google Earth gibt es schon seit 10 Jahren — denn früher wurde “Earth” von der Firma “Keyhole” kommerziell vertrieben).

    Dafür, dass das Projekt ein Hobbyprojekt ist, entwickelt es sich also recht schnell …

  3. SimonNo Gravatar schrieb:

    Hey ,

    ich benutze Marble am meisten mit der OpenStreetMap Karte , die ist echt super :)

    Aber die anderen Karten wie z.B. der Mond ist auch sau cool.

    Macht weiter so :)

  4. Roman HanhartNo Gravatar schrieb:

    Danke Martin und Torsten für diese sehr interessanten Informationen aus erste Hand! Ich finde es sehr spannend, wenn auf diesem Weg die Sichtweise eines intensiven Nutzers und eines Entwicklers zusammenkommen.

    Es ist mir schon einige male passiert, dass ich ein Projekt aus der oberflächlichen Sicht unterschätzt habe. Und hier ist das auch wieder geschehen. Die Erweiterungen und Verbesserungen, die laut Torsten geplant oder gewünscht sind, tönen vielversprechend.

  5. MartinNo Gravatar schrieb:

    @Thorsten: super, dass ihr neues Datenmaterial bekommt. Mit geht nicht, meinte ich ja die Lizenz, dass man nicht einfach die Daten von Google Earth nehmen kann.

  6. HeikoNo Gravatar schrieb:

    Ich bin von Marble auch sehr angetan. Für mich ein mehr als interessantes Projekt. Ich werde Marble auf jeden Fall auch weiterhin beobachten bzw. mit herumspielen.

    Gruß,
    Heiko

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