RoundCube 0.2.1 im Test
RoundCube ist ein feine und schlanke sowie schnelle Weboberfläche, um damit Mails per SMTP zu versenden, beziehungsweise per IMAP zu holen. Die Entwicklung läuft zwar langsam, dafür aber stetig. Das Schweizer Produkt steht mittlerweile bei der stabilen Version 0.2.1, welche ich wieder einmal etwas näher anschauen wollte.
Mein grosses Anliegen bei dieser Software liegt im Adressbuch, bei dem es bisher weder Import- noch Exportmöglichkeiten gab, ausserdem liessen sich die Adressen keinen Gruppen zuordnen. Nun, ein Wunsch ist in Erfüllung gegangen, wenn auch marginal: Adressen lassen sich nun importieren, allerdings erst über das offizielle vCard-Format. Ebenso lassen sich die eingepflegten Adressen über dieses Format exportieren. Leider gibt es aber noch immer keine Gruppenfunktion. Gruppen sind für mich sehr wichtig und gehören in jedes Mailprogramm, gleich welcher Art. Aber bei der tiefen Versionsnummer darf ich sicherlich noch hoffen, dass dereinst auch eine solche Funktion angeboten wird.
Die Installation habe ich ich auf einem lokalen Ubuntu-Server (8.10) bei mir zu Hause vorgenommen. Dazu braucht es lediglich eine laufende Postfix-Installation (oder eine Alternative für IMAP und SMTP-Support), einen Apache-Webserver, PHP und MySQL. Die genauen technischen Anforderungen stehen im Wiki von RoundCube. Wie man sich Postfix zurechtlegt, habe ich hier mal beschrieben. Und selbstverständlich braucht es noch ein Mailkonto, das per IMAP ansprechbar ist; das tun ja mittlerweile die meisten, auch die des Providers.
Das aktuelle Paket muss zunächst heruntergeladen und auf dem Webserver entpackt werden. Mit Vorteil in einen eigenen Verzeichnis oder auf einer Subdomain. Danach kann man die Installation bereits per Browser aufrufen:
http://URL_zum_RoundCube_Verzeichnis/installer
Die Installationsroutine hat sich gegenüber der Vorversionen auch verbessert. Zunächst prüft das Teil, ob alle erforderlichen Features auf dem Server verfügbar sind und gibt eine entsprechende Nachricht aus.

Im nächsten Schritt werden dann alle erforderlichen Werte parametrisiert. Hier lässt sich zum Beispiel eine Default-Domain festlegen oder der anzusprechende SMTP- oder IMAP-Server wird genannt. Auch die Datenbank-Angaben werden hier festgehalten. Es braucht dazu eine Datenbank auf MySQL, SQLite oder PostgreSQL. Vorbereitet wird offenbar eine Anbindung an M$SQL. Im Verzeichnis, das zuvor heruntergeladen wurde, befindet sich ein Unterordner SQL, in dem die Initialisierungsstatements für jeden SQL-Typ zu finden sind. Für MySQL heisst die Datei mysql.initial.sql, welche ausgeführt werden muss. Dazu habe ich phpmyadmin benutzt, den Code in das SQL-Feld der neu angelegten DB kopiert und ausgeführt. Damit werden die nötigen Tabellen und Felder generiert.

Zum Schluss spukt der Wizard zwei Files aus, welche dann in das Verzeichnis config auf dem Webserver kopiert werden sollten. Es handelt sich um die beiden Konfigurationsdateien db.inc.php und main.inc.php. Diese lassen sich natürlich auch von Hand nachbearbeiten. Am Ende kann man dann noch die Konfiguration testen und ein Mail versenden sowie den Zugriff auf einen IMAP-Server testen.
Damit ist die Geschichte schon gegessen und man kann loslegen. Allerdings sollte man zuvor noch das Verzeichnis installer auf dem Webserver löschen. Der Aufruf erfolgt ganz einfach über den Browser und liefert zunächst einen Login-Screen. Je nach Konfiguration braucht man hier bloss noch den Alias vor dem @ einzugeben und das Kennwort.

Gewohnt flink und rasch liefert RoundCube die Mails. Natürlich kann RoundCube nur so schnell wie der anzuzapfende Mailserver sein, aber in der Regel klappt das bestens. Bei den Einstellungen hat sich auch einiges verbessert. So lassen sich die Dateien im Posteingang packen, die RCF-Version für die Anhänge definieren und weitere Kleinigkeiten. Wichtig hier ist, dass die Namen der Spezialordner mit denen auf dem IMAP-Server übereinstimmen, sonst lassen sich die Mails nicht löschen oder verschieben.

Die Nachrichtenvorschau gibt es schon etwas länger, kann aber gute Dienste erweisen, wenn auch einige Menschen vehement behaupten, dies wäre ein arges Sicherheistrisiko. Wer die Vorschau nicht haben will, schaltet sie in den Einstellungen ab oder erlaubt sie gar nicht erst per main.inc.php.
Alles in Allem bin der Meinung, dass RoundCube 0.2.1 einen zünftigen Schritt vorwärts gemacht hat. Der Webmailer gehört ja schon seit einiger Zeit zu den Rosinen und wird teilweise noch als Geheimtipp gehandelt. Aus meiner Sicht ist RC ein erwachsener Mailclient für den Browser; wer auf Groupware-Features verzichten kann oder will, sollte sich das Teil ansehen.
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16. April 2009 um 09:13 Uhr
Ich war die letzten 5 Jahre bei Fastmail.fm, aber seit einer Weile läuft Roundcube auf dem eigenen Server und ich bin richtig begeistert davon. Die Funktionen sind zwar etwas eingeschränkt, da es z. B. keine Filtermöglichkeiten gibt, aber inzwischen habe ich mich daran gewöhnt und kann gut damit leben.
16. April 2009 um 09:39 Uhr
Meiner Meinung nach, glänzt RoundCube aber nicht gerade vor Sicherheit. Gab da einige Vulnerabilities in den letzten Monaten.
Eine Mischung aus SquirrelMail und der Oberfläche und des Funktionsumfang GoogleMail wäre ganz nett.
19. April 2009 um 21:55 Uhr
@Hannes: Die wurde weitgehendst ausgemerzt, mindestens diejenigen Löcher, welche aktiv ausgenutzt wurden. Und bei einer Software mit einer derart tiefen Versionsnummer darf man – so glaube ich – nicht unbedingt erwarten, dass das Ding sicher fliegt. Deswegen würde ich es auch nicht auf einen Server “da draussen im Internet” installieren. Mein Server hier zu Hause ist von aussen nicht erreichbar – und meistens abgestellt