Das grml-Monster und seine Zähne
Einer der wohl bekanntesten Rettungsanker nebst Knoppix dürfte wahrscheinlich grml sein. Die Debian-basierende Distribution, welche dereinst auf Knoppix aufsetzte, wurde just vor einigen Tagen in der neuen Version 2010.04 veröffentlicht. Am 22. Oktober 2004 erblickte grml offiziell das Licht der Bits und Bytes. Die erste Version mit der Nummer 0.1 hiess damals OS 04.
grml gibt es als 32- und 64bit-Version, nebenher als Medium oder Small-Edition mit mehr oder weniger Tools und Programmen auf dem Datenträger. Da grml hauptsächlich als Rettungswerkzeug benutzt wird – und man bei der Installation auf die Harddisk gefragt wird, ob man wisse, was man tue – ist das Linux konsequenterweise als Live-CD erhältlich; das ISO lässt sich natürlich auch auf einen USB-Stick “brennen”. Die aktuelle Version trägt den “Übernamen” grml-Monster. Die Liste der vorhandenen Applikation ist recht umfangreich; hier bemerkt man die Vererbung von Debian. Übrigens hiess die Version 2008.11 “Schluchtenscheisser”.
grml ist vor allem für System-Administratoren interessant und eher weniger geeignet, um damit am Rechner zu arbeiten. Das ginge wohl auch, aber die Entwickler, welche allesamt Familiennamen aus unseren Breitengraden tragen, setzen offenbar ganz bewusst auf die Fähigkeiten, ein defektes System zu retten. Ausserdem sei das Linux für Benutzer geeignet, die gerne im Textmodus wirken.
Grml is a bootable live system (Live-CD) based on Debian. Grml includes a collection of GNU/Linux software especially for system administrators and users of texttools. Grml provides automatic hardware detection.
Beim Start vom grml wird zunächst die Hardware durchsucht und sehr oft sauber erkannt. Bereits mit auf der CD (Version Release grml64 2010.04 – Codename Grmlmonster) sind diverse Arbeitsumgebungen wie fluxbox, ion, twm, fvwm-crystal oder wmii vorhanden und können, sofern das Bootmedium die richtigen Konfigurationsdateien enthält, direkt ab dem grml-Startbildschirm gestartet werden. Ich nutzte nach dem Bootvorgang die Taste c, worauf sich dann automatisch das Tastaturlayout für die Schweiz eingerichtet hat.

Es existiert ein deutsches Handbuch zu grml, welches allerdings eher die Meta-Themen behandelt und weniger auf den Betrieb von grml eingeht. Und natürlich bestehen weitere Dokumentationen zu diesem Rettungssystem, in denen in englischer Sprache die relevanten Informationen zum Betrieb von grml zu finden sind. Ausserdem ist ein Wiki (Doku-Wiki) verfügbar, in dem weitere, vertiefende Informationen, aber auch das Bug-Tracking zu finden sind.
Eine weitere, besonders interessante Eigenschaft von grml ist die Verwendung von Zsh. Auf der Bücherliste sind dazu auch einige Fachbücher zu diesem Thema verlinkt. Die Z-Shell oder eben die Zsh ist ist eine Unix-Shell, die sowohl als interaktive Login-Shell, als auch als ein mächtiger Kommandozeileninterpreter für Shellskripte verwendet werden kann. Sie nutzt einen etwas gewöhnungsbedürftigen Syntax, ist aber umso mächtiger. Dazu gibt es eine eigene Wiki-Seite. Es gibt auch unter Ubuntu eine Möglichkeit, die Zsh zu nutzen. Bei Bedarf lässt sich aber unter grml auch eine andere Shell nutzen, so zum Beispiel die Bash.
Ebenso spannend und eher etwas ungewöhnlich, dafür aber sehr praktisch, ist die Werkzeugkiste namens Cdrtools, die mitgeliefert wird. Damit lassen sich diverse Aufgaben rund um das Brennen von CDs und DVDs erledigen. grml ist wohl einer der wenigen Distributionen, die auf einer LiveCD das Tool führt.

Das Logo der aktuellen Version bildet ein Monsterli ab, ein freundliches zwar, aber es besitzt ganz beachtliche Zähne. Und diese sind dann auch spürbar, wenn man es sich weniger gewohnt ist, mit der Z-Shell zu arbeiten. Ganz so einfach ist es nicht, obschon sich die Einarbeitungszeit lohnen dürfte, will man grml als Rettungsanker nutzen. grml ist sicherlich keine Linux-Distribution für Anfänger oder Liebhaber einer grafischen Arbeitsumgebung. Das will sie auch nicht sein, sondern konzentriert sich auf Rettungen und dient GUI-Allergikern als Spielweise oder Arbeitsinstrument.
Mika Prokop schrieb im August 2009 einen recht interessanten und ergiebigen Beitrag zu grml auf der Linux Community. Auf der Projekt-Website von grml sind weitere Medienberichte zu grml aufgelistet, dabei ein eigener Bereich für deutsche Artikel.
grml lässt sich direkt ab der Projekt-Website herunterladen. Falls kein Breitband-Internet zur Verfügung steht, kann eine CD bei der Tuxpost gegen drei Euronen plus Versandkosten bestellt werden.



14. Mai 2010 um 09:31 Uhr
Super Beitrag!
Am 03. Juni 2010[1] wird GRML im NCL[2] vorgestellt.
[1]:http://lugv.at/node/32
[2]:http://lab.netculture.at/kontakt/dornbirn/
14. Mai 2010 um 10:06 Uhr
Hey danke, Christian! Cool, da werde ich vielleicht hinfahren. Worin ist der Vortrag eingebettet? Gibt es an diesem Donnerstag noch mehr zu sehen und hören?
14. Mai 2010 um 10:19 Uhr
@Roman, ich habe leider kein Infos. Der Vortrag wird von der (Linux Usergroup Vorarlberg organisiert.
14. Mai 2010 um 10:20 Uhr
Danke, ich frage dort mal nach.
Gruss
Roman
14. Mai 2010 um 16:48 Uhr
> Ebenso spannend und eher etwas ungewöhnlich, dafür aber sehr praktisch, ist die Werkzeugkiste namens Cdrtools, die mitgeliefert wird. Damit lassen sich diverse Aufgaben rund um das Brennen von CDs und DVDs erledigen. grml ist wohl einer der wenigen Distributionen, die auf einer LiveCD das Tool führt.
öhm… die cdrtools sind die originalen Brenntools und waren schon immer auf den meisten mir bekannten Live-CDs. Erst als es zu dem Fork cdrkit gekommen ist (wodim etc.) liefern einige Distributionen diese mit aus.
die grml-Macher haben eben die Originale genommen.
14. Mai 2010 um 17:00 Uhr
@Antiqua: Stimmt, die Aussage bezieht sich eigentlich auf Debian-basierende Distris. Dort ist das Original-Tool nach meinem Wissen nirgends mehr zu finden.
14. Mai 2010 um 17:11 Uhr
@ Roman Hanhart
dann musst du das auch so schreiben
die Linux-Welt besteht nicht nur aus Debian und Ubuntu. Im Übrigen scheint es, daß viele Distries wieder auf cdrtools umschwenken.
14. Mai 2010 um 17:40 Uhr
Ja, da hast Du Recht, es gibt zum Glueck noch etliche Distributionen neben Debian. Wobei ich mich jetzt hinter der URL meines Blogs verstecken koennte und damit waere der Fall klar
14. Mai 2010 um 19:11 Uhr
@Roman Hanhart: *yedihandbewegung* über den Tellerrand du schauen willst, gut finden ich das tue *yedihandbewegung*
die cdrtools gibts übrigens via ppa (von B. Snider) auch für Ubuntu. Ich bastel da auch an einigen Paketen. Die in grml benutze Version a58 funktioniert auch leicht angepasst für Ubuntu.
14. Mai 2010 um 21:15 Uhr
@Antiqua: Musste aufgrund Deiner Suggestion bezüglich dem Jedi-Ritter sofort den Yoda-Tux wieder oben rechts einbauen
Schaue ich mir mal gerne an, die Sachen. Danke!
31. Mai 2010 um 19:22 Uhr
Nur als Ergänzung, der Vortrag findet nicht am 03. Juni sondern am 10. Juni 2010 statt
31. Mai 2010 um 21:29 Uhr
Danke Ulrich! Dann bin ich (leider) in Berlin am LinuxTag.