Windows XP vs. Ubuntu 8.10
Aus “betrieblichen Gründen” installierte ich neulich Windows XP auf mein Lenovo R61 (8918 – DFG mit 2 GB flüchtigem Speicher). Dabei sind mir im Vergleich zu meiner Lieblingsdistribution Ubuntu einige Dinge aufgefallen, die ich hier kurz notieren möchte. Selbstverständlich betreibe ich parallel dazu eine Zweitinstallation mit Ubuntu; ich will mich ja nicht selbst verstümmeln
Dazu habe ich eine kleine Grafik erstellt, welche die meiner Meinung nach wichtigsten Beurteilungspunkte abbildet. Es ist eine persönliche Beurteilung, die einer objektiven Betrachtung nicht standhalten muss.

Installation
Am meisten aufgefallen ist mir die Installation eines Windows XP inklusive Service Pack 2. Damit ich alle Anwendungen, die ich benötige, plus die erforderlichen Treiber und ein paar Erweiterungen zur Verfügung hatte, brauchte ich satte acht Stunden! Mit dabei ist allerdings die gesamte Patcherei und das Einspielen des Service Packs 3 für XP. Trotzdem: Das ist deutlich zu lange und viel zu aufwändig, mindesten für meinen Geschmack. Denn schliesslich brauche ich auf der Anwendungssseite bloss das Office 2003, Visio 2003, Paint Shop Pro, ein Sonic Wall VPN Client und Kleinigkeiten wie den Firefox, KeePass und ähnliches. Also plus-minus eine Standard-Installation. Sehr zeitaufwändig ist das Herunterladen und Installieren der ThinkVantage-Komponenten.
Dazu steht im Gegensatz eine Ubuntu-Installation mit allen nötigen Applikationen inklusive einer virtuellen Windows-Instanz über VirtualBox, die gerade mal gute zwei Stunden dauert. Was also die Installation betrifft, erachte ich Windows als Katastrophe und Ubuntu als lieblicher Spass. Diese Aussage ist natürlich persönlich gefärbt, versteht sich. Windows bekommt einen von maximal drei Punkten, Ubuntu deren drei.
Hardware-Erkennung
Bei der Hardware-Erkennung sieht es leicht anders aus. Windows XP erkennt zwar von Haus aus nicht sehr viel, nach dem Nachliefern der nötigen Treiber allerdings alle Komponenten; also auch den Fingerprint-Teil. Mit Ubuntu kann ich jenes Teil nicht nutzen, dagegen alle andern Hardware-Teile bis auf die Spezialtasten; und zwar direkt nach der Installation. Windows schneidet trotzdem gesamthaft gesehen besser ab; deswegen drei Punkte für das OS aus Redmond und zwei für Ubuntu.
Arbeitsgeschwindigkeit
Damit meine ich nicht meine Arbeitsgeschwindigkeit, die steht ausserhalb meiner Beurteilung
Sondern ich denke da an die Geschwindigkeit des Rechners je nach verwendetem OS. Windows arbeitet recht flott und sauber, braucht aber lange beim Booten und nach dem Anmelden, bis alle Komponenten geladen sind. Ubuntu bootet schneller und braucht auch nach dem Login keine Minute, bis alles bereit ist. Generell erlebe ich Ubuntu als schneller im Betrieb als Windows. Deswegen bekommt Windows zwei Punkte, Ubuntu drei.
Komfort
Damit beurteile ich das “allgemeine Arbeiten” am Rechner, auch das “Anstöpseln” von zusätzlicher Hardware. Da ist Windows deutlich besser, nicht zuletzt auch deshalb, weil diverse Hersteller (beispielsweise Sony Ericsson oder Sonicwall) entweder gar keine Software unter Linux anbieten, oder für Windows die bessere Variante haben. Es ist also nicht unbedingt eine Beurteilung des Betriebssystems, sondern auch eine Schau der Applikationen. So gesehen beurteile ich Windows XP als komfortabler im Nutzen als Ubuntu. Weiter stellte ich fest, dass Windows offenbar die “griffigere” Akkuverwaltung nutzt, denn während Ubuntu maximal während 100 Minuten im Akku-Dauer-Betrieb läuft, schafft es Windows während 150 Minuten. Windows bekommt von mir in diesem Bereich drei Punkte, Ubuntu zwei.
Sicherheit
Das ist ein schwieriges Thema. Ich bin kein Experte und gebe daher nur sehr bescheiden wieder, was ich beurteile. Auch heute lässt sich ein XP recht sicher betreiben, wenn alle Updates immer sauber gefahren werden (und die allenfalls erneut geflickt werden) und ein leistungsfähiger und moderner Viren- und Malwarescanner vorhanden ist. Ich nutze dazu Kaspersky. Ebenfalls setze ich eine physische Firewall voraus, die einigermassen sinnreich konfiguriert ist. Unter Ubuntu sollte man zwar die Updates ebenfalls regelmässig fahren, ein Virenscanner ist aber für den eigenen Schutz nicht notwendig. Grundsätzlich meine ich, dass man unter Windows aktiver für die Sicherheit etwas tun muss, als unter Ubuntu. Deswegen vergebe ich Windows zwei Punkte und Ubuntu drei.
Kompatibilität
Damit meine ich die Möglichkeiten, mit der Aussenwelt zu kommunizieren und Dokumente auszutauschen. Bei beiden Varianten sehe ich heute keine nennenswerten Schwierigkeiten mehr. Sowohl unter Windows wie unter Ubuntu lassen sich Daten (Office-Dateien etc.) bis auf wenige Ausnahmen problemlos austauschen und auf dem jeweiligen System weiterverarbeiten. Beide Motoren bekommen deswegen drei Punkte.
Gesamtbeurteilung
Windows erhält 14 Punkte, Ubuntu 16. Damit ist der Sieger erkoren; mindestens für mich. Doch etwas ist mir klar geworden: Windows ist nicht das schlechteste OS, leider nur das meistgenutzte und damit auch dasjenige, das am häufigsten angegriffen wird. Aber es bietet durchaus Vorteile, auch im privaten Bereich. Aber viele Hersteller ignorieren bis heute, dass es auch noch Macianer und Linux-Menschen gibt. Sonicwall ist ein solcher Kandidat. Zwar bietet das Unternehmen im Bereich SSL-VPN mittlerweile Software für Linux und Mac an, aber einen Clienten für VPN gibt es seit ewigen Zeiten nicht für Linux, wird es wohl ach nie geben. Ebenso VMWare, dort gibt es noch immer keinen VMware Infrastructure-Client für Linux.
Eigentlich sollte ich aufhören, über Windows herzuziehen, sondern viel eher dessen Vorteile nutzen. Das bringt allen mehr, finde ich. Dabei darf ich ja trotzdem meinen Favoriten, das liebliche Ubuntu, pflegen und Windows dort einsetzen, wo ich es für sinnreich erachte. Glaubenskriege bringen nichts; auch im digitalen Bereich nicht.


17. Februar 2009 um 09:48:04 Uhr
Vielleicht hilft dir dieser Link zur Installation des Fingerprint-Teis:
http://mrooney.blogspot.com/20.....-with.html
~ Bernd
17. Februar 2009 um 11:39:58 Uhr
Interessanter Vergleichstest. Ja, warum nicht beide (oder 3) Betriebssysteme gleichzeitig verwenden? Ein Nachteil ist: Mehrere Betriebssysteme erfordern auch mehr Zeit für Umgang und Pflege, ggf. für Synchronisierung. Noch kann ich leider auch nicht völlig auf Windows verzichten, ohne erhebliche Einschränkungen in Kauf zu nehmen. Ein Betriebssystem wäre mir aber erheblich lieber.
ubuntianer82
17. Februar 2009 um 20:55:03 Uhr
@Bernd: Danke für den Link; das habe ich alles schon ausprobiert. Lenovo verbaut seit einiger Zeit andere Hardware, zu der es offenbar keine Treiber für Linux gibt.
@ubuntianer82: Verzichten kann ich gut auf Windows als installierte Bootversion. Aber auf eine virtuelle Instanz kann ich auch (noch ) nicht verzichten. Leider. Ich hätte auch lieber bloss ein OS, und wenn es geht, lieber ein Linux / GNU.
18. Februar 2009 um 07:31:47 Uhr
Zur Windowsinstallation nur soviel, mit einem entsprechend vorbereiteten Datenträger (integrierte SPs),
dauert die reine Installation eines Windows nicht unwesentlich länger, was wirklich sehr zeitaufwändig ist, das ist das einspielen von Treibern und verwendeter Software, diese oder ähnliche Erfahrungen mache ich jedesmal wieder.
Sehr guter Artikel der einem wieder einmal die Überlegenheit einer sauber gepflegten Distribution zeigt.
18. Februar 2009 um 19:08:34 Uhr
Hallo,
zum Fingerprint Reader gibts nen Artikel auf ThinkWiki, der auch Links zu Treibern für den “neueren” Reader beinhaltet. Weis nicht, ob das Deiner ist, aber man könnte es ja mal probieren:
http://www.thinkwiki.org/wiki/.....int_Reader
(Auch sonst lohnt sich oft ein Blick ins ThinkWiki wenn man einen Thinkpad hat)
Gruß
zimon
18. Februar 2009 um 21:35:49 Uhr
Hallo zimon
Danke für den Hinweis, funktioniert leider nicht. Ist auch nicht so wichtig, das Teil.
19. Februar 2009 um 20:44:36 Uhr
Bei meinem Notebook geht der Fingerprint reader leider nicht, ist aber nicht so schlimm.
Dafür erkennt Ubuntu den rest meiner hardware top
20. Februar 2009 um 11:55:25 Uhr
Ich bin Laie und habe mich schon seit Jahren nicht mehr mit BSen beschäftigt. Vor einem Jahr bin ich komplett auf Ubuntu umgestiegen. Vor 2 Monaten überredeten mich Freunde zu einem Game und dafür brauchte ich XP.
Wow – da hab ich erstmal gesehen, wie komfortabel eine Installation unter Linux ist! Fazit: unter XP läuft lediglich dieses Game. Der Rest findet unter Linux statt …
20. November 2011 um 02:13:58 Uhr
Also ich habs mir einfach gemacht und einfach Ubuntu installiert , zum Surfen , Filme schauen etc. und falls ich dann mal zockn möchte , oder den Pc für Office anwendungen benötige switche ich halt schnell auf XP. Ich bin damit mehr als zufrieden ist einen gute Lösung. Meiner Meinung nach