Mit ‘Debian’ getaggte Artikel

Das grml-Monster und seine Zähne

Freitag, 14. Mai 2010

Einer der wohl bekanntesten Rettungsanker nebst Knoppix dürfte wahrscheinlich grml sein. Die Debian-basierende Distribution, welche dereinst auf Knoppix aufsetzte, wurde just vor einigen Tagen in der neuen Version 2010.04 veröffentlicht. Am 22. Oktober 2004 erblickte grml offiziell das Licht der Bits und Bytes. Die erste Version mit der Nummer 0.1 hiess damals OS 04.

grml gibt es als 32- und 64bit-Version, nebenher als Medium oder Small-Edition mit mehr oder weniger Tools und Programmen auf dem Datenträger. Da grml hauptsächlich als Rettungswerkzeug benutzt wird – und man bei der Installation auf die Harddisk gefragt wird, ob man wisse, was man tue – ist das Linux konsequenterweise als Live-CD erhältlich; das ISO lässt sich natürlich auch auf einen USB-Stick “brennen”. Die aktuelle Version trägt den “Übernamen” grml-Monster. Die Liste der vorhandenen Applikation ist recht umfangreich; hier bemerkt man die Vererbung von Debian. Übrigens hiess die Version 2008.11 “Schluchtenscheisser”.

grml ist vor allem für System-Administratoren interessant und eher weniger geeignet, um damit am Rechner zu arbeiten. Das ginge wohl auch, aber die Entwickler, welche allesamt Familiennamen aus unseren Breitengraden tragen, setzen offenbar ganz bewusst auf die Fähigkeiten, ein defektes System zu retten. Ausserdem sei das Linux für Benutzer geeignet, die gerne im Textmodus wirken.

Grml is a bootable live system (Live-CD) based on Debian. Grml includes a collection of GNU/Linux software especially for system administrators and users of texttools. Grml provides automatic hardware detection.

Beim Start vom grml wird zunächst die Hardware durchsucht und sehr oft sauber erkannt. Bereits mit auf der CD (Version Release grml64 2010.04 – Codename Grmlmonster) sind diverse Arbeitsumgebungen wie fluxbox, ion, twm, fvwm-crystal oder wmii vorhanden und können, sofern das Bootmedium die richtigen Konfigurationsdateien enthält, direkt ab dem grml-Startbildschirm gestartet werden. Ich nutzte nach dem Bootvorgang die Taste c, worauf sich dann automatisch das Tastaturlayout für die Schweiz eingerichtet hat.

Es existiert ein deutsches Handbuch zu grml, welches allerdings eher die Meta-Themen behandelt und weniger auf den Betrieb von grml eingeht. Und natürlich bestehen weitere Dokumentationen zu diesem Rettungssystem, in denen in englischer Sprache die relevanten Informationen zum Betrieb von grml zu finden sind. Ausserdem ist ein Wiki (Doku-Wiki) verfügbar, in dem weitere, vertiefende Informationen, aber auch das Bug-Tracking zu finden sind.

Eine weitere, besonders interessante Eigenschaft von grml ist die Verwendung von Zsh. Auf der Bücherliste sind dazu auch einige Fachbücher zu diesem Thema verlinkt. Die Z-Shell oder eben die Zsh ist ist eine Unix-Shell, die sowohl als interaktive Login-Shell, als auch als ein mächtiger Kommandozeileninterpreter für Shellskripte verwendet werden kann. Sie nutzt einen etwas gewöhnungsbedürftigen Syntax, ist aber umso mächtiger. Dazu gibt es eine eigene Wiki-Seite. Es gibt auch unter Ubuntu eine Möglichkeit, die Zsh zu nutzen. Bei Bedarf lässt sich aber unter grml auch eine andere Shell nutzen, so zum Beispiel die Bash.

Ebenso spannend und eher etwas ungewöhnlich, dafür aber sehr praktisch, ist die Werkzeugkiste namens Cdrtools, die mitgeliefert wird. Damit lassen sich diverse Aufgaben rund um das Brennen von CDs und DVDs erledigen. grml ist wohl einer der wenigen Distributionen, die auf einer LiveCD das Tool führt.

Das Logo der aktuellen Version bildet ein Monsterli ab, ein freundliches zwar, aber es besitzt ganz beachtliche Zähne. Und diese sind dann auch spürbar, wenn man es sich weniger gewohnt ist, mit der Z-Shell zu arbeiten. Ganz so einfach ist es nicht, obschon sich die Einarbeitungszeit lohnen dürfte, will man grml als Rettungsanker nutzen. grml ist sicherlich keine Linux-Distribution für Anfänger oder Liebhaber einer grafischen Arbeitsumgebung. Das will sie auch nicht sein, sondern konzentriert sich auf Rettungen und dient GUI-Allergikern als Spielweise oder Arbeitsinstrument.

Mika Prokop schrieb im August 2009 einen recht interessanten und ergiebigen Beitrag zu grml auf der Linux Community. Auf der Projekt-Website von grml sind weitere Medienberichte zu grml aufgelistet, dabei ein eigener Bereich für deutsche Artikel.

grml lässt sich direkt ab der Projekt-Website herunterladen. Falls kein Breitband-Internet zur Verfügung steht, kann eine CD bei der Tuxpost gegen drei Euronen plus Versandkosten bestellt werden.

Uns bleibt immer noch Debian

Dienstag, 23. Februar 2010

Bereits am vergangenen Donnerstag lag die neue Ausgabe von Ubuntu User in meinem Briefkasten. Als Abonnement geniesst man mindestens den Vorteil, dass das Heft relativ früh da ist, ausserdem entfällt der Gang zum Kiosk. Das Heft, welches nun in der zweiten Ausgabe vorliegt, konzentriert sich diesmal auf das Thema TV und Ubuntu mit all seinen Derivaten. Daneben gibt es aber auch zahlreiche Artikel für Einsteiger sowie zu den verschiedenen Desktops wie Gnome, KDE und Xfce. Die Ubuntu Netbook Remix Version kommt auch zur Sprache. Alles in Allem sehe ich darin wieder eine runde Ausgabe mit vielen Informationen, nicht nur für Einsteiger, sondern auch ein paar Happen für etwas weiter fortgeschrittene Benutzer. Im Heft liegt eine DVD mit sieben Linux-Versionen darauf: Ubuntu, Kubuntu, Xubuntu, Mythbuntu, Lubuntu, UNR und das Ubuntu Studio.

Im Editorial geht Chefredakteur Kristian Kissling mit dem Titel “Uns bleibt immer noch Debian” auf das “Bashing” ein, das an manchen Orten in Bezug auf die Kommerzialisierung von Ubuntu gelebt wird. Canonical setzt offenbar in Sachen Ubuntu vermehrt auf den Kommerz, was ich allerdings aus meiner Sicht nicht so bestätigen kann. Mit Ubuntu One verdient Canonical vielleicht etwas Geld, falls es tatsächlich User gibt, welche den kostenpflichtigen Teil der Online-Festplatte nutzen möchten. Das ist aus meiner Sicht durchaus in Ordnung, Canonical hätte sogar noch viel früher damit beginnen sollen. Ausserdem ist der kostenfreie Teil dieses Services, der immerhin zwei GB Platz in der Wolke da draussen bereitstellt, nicht übel. Der Neue Dienst single sign on ersetzt ja nur das Launchpad-Login. Jetzt steht ein zentraler Ort zur Verfügung, an dem sich die Benutzer anmelden können. Damit wird wohl Canonical kein Geld verdienen können. Der Umzug von der Standard-Suchmaschine Google zu Yahoo im Firefox bringt vielleicht ein paar Franken mehr.

Kissling kommt zum Schluss, dass es bei der Kommerzialisierung rund um Ubuntu gar nicht so schlimm wäre und man würde hier aus einer Mücke einen Elefanten erzeugen. Und wem Ubuntu gar nicht passen würde, könne ja auf Debian schwenken. Das finde ich auch, mindestens aus dieser Sicht. Aber es gibt noch einen weiteren Ansatz, den Kristian zwar kurz aufnimmt, aber gleich wieder loslässt:

Canonical treibt zwar einen recht grossen Aufwand, um die Distribution und deren Derivate zu konfektionieren. Obschon viele Linux-User anderer Distributoren immer wieder mit etwas Neid festhalten, dass sich Canonical nicht wirklich an der Entwicklung des Linux-Kernels und an den verschiedenen Pakten beteiligen würde – was generell so mal nicht stimmt – ist der Aufwand, um eine Linux-Distribution bereitzustellen, nicht zu unterschätzen. Selbst dann, wenn dabei bloss eine halbherzige KDE-Lösung herauskommt.

Und trotzdem halte ich es für zwielichtig, wenn sich Canonical an OpenSource-Lösungen bedient, um daraus einen neuen Dienst wie eben Ubuntu One oder single sign on zu zimmern und deren Quellcodes dann nicht freigibt. Für manchen Mitstreiter in der der Entwicklung jener Pakete wie Python, Django, Apache und Postgres etc., die von Canonical benutzt wurden, dürfte dieses Gebaren einer saftigen Ohrfeige gleichkommen. Es gibt zwar Lizenzformen, die ein solches Vorgehen ausdrücklich erlauben (zum Beispiel Apache), trotzdem taxiere ich das Verhalten von Canonical als “grenzwertig”. Das passt aus meiner Sicht nicht mit der Philosophie von Ubuntu zusammen. Es geht mir wirklich nicht darum, dass Canonical Geld verdienen will. Bei Gott, das soll die Firma endlich mal richtig tun! Sondern es geht mir um die Offenheit, um die Freiheit und um den Grundgedanken, dass sich Wissen frei ausdehnen kann. Wer sich aus quelloffener Software bedient, daraus etwas Neues erzeugt, sollte das Resultat wieder der Gemeinschaft zurückgeben. Das verhindert ja nicht, dass mit dem neuen Erzeugnis Geld verdient werden kann. Und ausgerechnet ein Mitstreiter dieser Garde – nämlich Canonical – entpuppt sich nun einmal mehr als Bremser und Quersteller. Nein Kristian, das ist keine Mücke, das ist schlicht Ignoranz, Überheblichkeit und vielleicht auch etwas Dummheit. Aus diesen Gründen zeige ich der Firma Canonical die Gelbe Karte. Es mag legitim sein, was Canonical hier tut, unterstützen will ich so etwas aber nicht. Dafür ist mir meine Freizeit zu wichtig und mein Herzblut für die Freiheit und Offenheit würde in einer solchen Umgebung austrocknen.

Das tönt vielleicht dramatisch. Das ist es nicht wirklich, zumal die Alternativen im Bereich Linux sehr mannigfaltig sind. Canonical wäre nicht die erste Firma, die ihre eigenen Kinder frisst oder die mit den Geistern, die sie gerufen hat, nicht mehr zurechtkommt.

Kisslings Alternative namens Debian besteht natürlich weiterhin. Obschon es ja eigentlich keine wirkliche Alternative ist, sondern Debian stellt ein Schritt zurück zur Wurzel dar. Mit all den Vor- und Nachteilen, die ein solcher Entscheid mit sich bringen würde.

Ubuntu 9.10 Karmic Koala

Montag, 15. Februar 2010

RadioTux wurde mit einem Presseexemplar des Titel Ubuntu 9.10 von Michael Kofler beschenkt. Das Buch ist im Jahre 2010 im Addison-Wesley-Verlag erschienen und trägt den Untertitel Das Einsteigerbuch. Auf internen Wegen ist das Buch dann zu mir gelangt, worauf ich mir den Titel etwas genauer angesehen habe. Ich bin der Meinung, dass der Autor erneut ein gut nutzbares Einsteigerbuch verfasst hat. Zwar erscheint schon bald die nächste Ubuntu-Version, diesmal sogar eine mit dreijährigem Support, aber das Buch bietet dennoch wesentliche Informationen zur aktuellen Version. Dem Buch liegt eine DVD und eine CD mit der aktuellen Ubuntu-Version in der 32- und 64bit-Version bei.

Das Buch beginnt mit einer kleinen Einleitung zu Linux und erklärt dann die Distribution Ubuntu sowie deren Derivate. Es ist tatsächlich als Einsteigerbuch zu lesen, zumal sehr oft der Vergleich zu Windows benutzt wird, um einen Vorgang oder eine Begebenheit zu erklären. Die Installationsarten kommen zur Sprache, natürlich auch die Live-CD mit der Erwähnung der USB-Stick-Alternative. Ich nutze fast nie mehr CDs, sondern bloss noch Sticks. In diesem Kapitel liest man dann auch etwas über die Hardware und selbstverständlich auch über die Festplattenpartitionierung. Ubuntu kommt ja im Normalfall dem einsteigendem Nutzer entgegen, die Partitionierung ist recht einfach zu handhaben, ausser, es besteht ein Windows auf der Festplatte, das erhalten bleiben soll. Dann wird es leicht aufwändiger. Auch die WUBI-Installation wird besprochen.

Danach folgen einige Kapitel zum Einrichten des Systems, Netzwerkverbindungen, Drucker und so weiter. Die Informationen sind in einem leichten und verständlichen Deutsch niedergeschrieben, Fremdworte werden bloss dort benutzt, wo sie sinnreich zum Einsatz kommen. Beim Kapitel Gnome fand ich denn auch ein Hinweis zum Gnome-Konfigurationseditor, den ich noch nie benutzt habe. Man ruft ihn per Konsole auf:

gconf-editor

Michael Kofler benutzt hier den Vergleich zur Wndows-Registry, um zu erklären, was der Gnome-Konfigurationseditor in etwa sein könnte. In der Tat lassen sich dort sehr viele Details an der Oberfläche und am Verhalten von Gnome justieren. Die Herausforderung ist bloss zu wissen, was welche Einträge bedeuten und im Bedarfsfall den richtigen Ast zu findet.

In diesem Titel werden die wichtigsten Anwendungen besprochen und teilweise recht tief behandelt. Ein Neueinsteiger wird also alle Informationen finden – falls er auf keine grösseren Herausforderungen mit der Hardware trifft – um Ubuntu auf seinem Rechner betreiben zu können und damit die wichtigsten Anwendungen wie Browser, Text- und Tabellenbearbeitungsprogramme, Mails, Sound- und Videoabspiel-, beziehungsweise Bearbeitung und Grafikbearbeitung nutzen zu können. Wir bei allen Themen und vielen Büchern braucht es weiterreichende Informationen oder Unterstützung, wenn die Nutzer etwas tiefer in die Materie einsteigen wollen. Da es sich hierbei um ein Einsteigerbuch handelt, ist das vollkommen in Ordnung.

Wer unter Ubuntu oder Linux im Allgemeinen weiterhin ausgewählte Windows-Programme ausführen möchte, findet auch in diesem Buch die wichtigsten Informationen und weiterführende Links. Ich persönlich finde CrossOver und Wine etwas vom Schlimmsten, was es gibt, aber da soll sich jeder selbst eine Meinung bilden dürfen.

Und natürlich kommt in der heutigen Zeit auch der Ubuntu Netbook Remix zur Sprache. Ich selbst nutze diese Version niemals, sondern setze auch auf Netbooks immer die “normale” Version ein. Die Hardware-Erkennung ist heute dermassen fein, dass es – ausser für einige kosmetischen Änderungen und einer kleinen Anpassung der vorinstallierten Software – keine spezielle Version für die kleinen Rechner mehr braucht.

Dann folgen die Informationen zu KDE, welche in fast jedem Buch komischerweise immer etwas “verstiefkindet” werden. Ich nutze KDE nicht, aber ich finde es im Sinne einer mannigfaltigen Auswahl immer wieder schade, dass KDE bei Ubuntu in der hinterletzten Reihe steht. Selbst LXDE (Lubuntu) oder Xfce (Xubuntu) werden besser gepflegt. Reisst hier Canonical nicht bald das Ruder um 180 Grad herum, könnte hier ein grosses Potential für Kubuntu-Abgänger entstehen.

Im Teil 5 gibt es dann noch einige Informationen für Ubuntu-Fortgeschrittene. Ich bin mir nicht ganz im Klaren, was dieser Teil hier verloren hat. Er ist weder Fisch noch Vogel, da es sich beim Titel ja um ein Einsteigerbuch handelt, welches sich versiertere Benutzer kaum anschaffen werden. Wie dem auch sei; darin findet sich Anleitungen und Informationen zur Paketverwaltung, Benutzerverwaltung und zur Pflege des Systems, aber auch zur Verschlüsselung, zum Dateisystem und zum Netzwerk.

Das Einsteigerbuch für Ubuntu 9.10 verspricht meiner Meinung nach genau das, was es für Einsteiger braucht: Einfache, klare Informationen und Anweisungen oder Anleitungen, wie ein Neueinsteiger (wohl meist von Windows herkommend) ein Ubuntu-System einsatzbereit machen kann. Das Buch trägt die ISBN-Nummer 978-3-8273-2912-7 und ist im Handel für knapp 25 Euro zu haben. Selbstverständlich erstelle ich dazu noch ein lautsprachliches Dokument, das dann bei RadioTux zu hören sein wird.

BRlix – ein Linux aus Brasilien

Freitag, 08. Januar 2010

BRlixBei der gelungenen Aktion vom Bürgermeister, bei der es um die Vorstellung von exotischen Linux-Distributionen geht, konnte ich mir das GNU/Linux BRlix herausziehen. Die Distribution basiert auf Debian und nutzt KDE. Sie hiess dereinst famelix. Just in der Zeit, als ich darüber berichten wollte, war der Server unter brlix.org nicht mehr erreichbar und damit waren auch die distributionsbasierenden Quellen verschwunden. Ich konnte dann aber doch von einem Spiegelserver eine etwa neun Monate alte iso-Datei, in der BRlix in der finalen Version 1.0 vorliegt, herunterladen. Mittlerweile ist eine Seite unter brlix.com aufgetaucht, die von OpenBrlix berichtet. Die Informationen sind ausschliesslich in portugiesisch verfügbar. Leider verstehe ich die Sprache nicht und Google liefert fast unbrauchbare Übersetzungen dazu. Offenbar handelt es sich dabei aber um ein eigenständiges Projekt, denn unter Download wird auf die nicht verfügbare Site brlix.org verwiesen.

Da ich leider keine Hardware zu Hause herumliegen habe, die ich einfach für solche Tests nutzen könnte, entschied ich mich für eine virtuelle Installation mittels der VirtualBox. Das klappt ab der iso ganz gut. Die Installation ist ziemlich einfach; man muss bloss selbst Hand anlegen, um die Festplatte zu partitionieren. Dazu gibt es ein GUI. Der Rest erfolgt dann automatisch. Bei der deutschen Version wird zum Schluss je zweimal nach dem Passwort für den Benutzer root gefragt; das ist wohl ein Übersetzungsfehler. Einer der beiden müsste demzufolge der erste “normale” Benutzer sein.

Nach der Installation müsste nun ein Update erfolgen, das für die debian-eigenen Dateien auch gelang. Allerdings ist seit Tagen die Website des Projekts nicht erreichbar und ich konnte leider keine alternativen Adressen für die BRlix-Quellen ausfindig machen. Deswegen habe ich temporär jene Adresszeilen in der sources.list auskommentiert.

Unter der VirtualBox lassen sich auch die Gasterweiterungen installieren. Die Kernel-Headers sind bereits vorinstalliert, es braucht dazu nur noch dieses Paket:

apt-get install build-essential

Danach kann die Gasterweiterung wie gewohnt installiert werden. Ich verlor dabei die Mausunterstützung und da ich bei KDE eine Flasche bin, stand ich schnell an. Ich hatte also ein System ohne Maus. Ist auch mal ein Erlebnis. Auf die Schnelle fand ich dann keine Lösung und nutzte daher die Live-CD auf meinem ThinkPad R61. Die läuft recht ordentlich, wenn auch gewisse Dienste nicht zur Verfügung stehen. So kann man keine verschlüsselten WLAN-Verbindungen nutzen, da keine Verschlüsselung geladen wurde. Die lässt sich bestimmt nachträglich aktivieren, ich nutzte sie aber nicht. Ansonsten erkennt man schnell das gute, alte KDE, welches sich nach meiner Wahrnehmung viele Benutzer der Version 4.xx wieder zurückwünschen.

BRlix in der Version 1.0 nutzt KDE 3.5.2 und besitzt einen Kernel 2.6.26.3-fmx, der aus dem Oktober 2008 stammen soll. Allerdings stimmen diese Angaben bloss beim Betrieb mit einer Live-CD ohne Update und Upgrades. Die Distribution wurde mit dem Ziel erzeugt, Windows Vista oder XP grafisch nachzubilden, beziehungsweise, um Umsteigern eine geringe Hürde zu bieten. Das BR aus dem Namen könnte für Brasilien stehen. Inzwischen soll BRlix über 12 Millionen mal heruntergeladen worden sein.

Zuvor hiess die Distribution famelix. Sie wurde am Metropolitan College of Guaramirim entwickelt. David Emmerich Jourdain, ein Deutschlehrer, hat sich offenbar um die Entwicklung gekümmert, wobei ihm zahlreiche Studenten zu Hilfe kamen. Famelix existierte ungefähr fünf Jahre, danach wurde es aus der Universität ausgelöst. Ein Zitat vom November 2008, welche ich hier gefunden habe, verweist auf die wahrscheinlichsten Gründe des Namenswechsels:

We the students and the professor (developer of Famelix), have made a company to continue the development of famelix.But the name Famelix is owned by FAMEG (the University) so we changed the name to BRLIX. The BRLIX have the themes XP and Vista, which you can choose on the Control Panel

Und so präsentiert sich BRlix ab der Live-CD direkt nach dem Start. Es ist recht einfach zu bedienen, obschon einige Features auf der Live-CD fehlen. Insgesamt macht mir BRlix einen guten Eindruck. Was mich aber nachhaltig stört, ist der “Offline-Betrieb” der Website und der Repositories.

Der Baum, die Wiese und der See bilden wohl eine Anspielung auf den Teletubbies-Hintergrund bei Windows XP. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob es der richtige Weg ist, Windows-Benutzer auf Linux zu locken, in dem Windows nachgeahmt wird. Auch wenn es nur optisch geschieht. KDE entstand ja damals auch aus dieser Absicht; heute ist das Projekt erwachsen geworden und muss niemanden mehr nachahmen. Vielleicht passiert das dereinst auch mit BRlix; dazu müssten aber die Site und die Quellen verfügbar sein.

Ohne die Blogparade vom Bürgermeister wäre ich wohl nie auf die Distribution gestossen, zumal sie wahrscheinlich hauptsächlich in Brasilien benutzt wird und hier wohl eher selten genannt wird. Vielen Dank für die Durchführung dieser Parade, Sirko! Eine Sprachdatei mit einer Länge von ungefähr vier Minuten werde ich gerne für RadioTux nachliefern.

Totes Debian, lange möge Dein Leben sein! [Podcast]

Mittwoch, 19. August 2009

Vor ein paar Tagen feierte die Debian-Community den 16. Geburtstag. Ohne Debian gäbe es weder Ubuntu, noch Linux Mint, kein Knoppix und wohl auch kein gOS. Diese Aufzählung ist noch lange nicht zu Ende. Und doch scheint es manchmal, als ob es die Abkömmlinge wären, die Debian am Leben erhielten.

Debian

Aber der Schein trägt trügt, denn in der Debian-Zunft geht offenbar die Post ab! Dazu habe ich mir ein paar Gedanken notiert und sie hernach auf ein digitales Tonband gesprochen.

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

mp3-File herunterladen (4.5 MB) – Text herunterladen (PDF)

16 Jahre bilden eine lange Zeitstrecke ab. Damals war ich gerade mal 28 Jahre jung. Alleine schon, um während dieser Zeit ein Projekt nur am Leben zu erhalten, braucht es schon einen harten Durchhaltewillen. Zum Vergleich sollte man sich vielleicht noch in Erinnerung rufen, dass Window$ mittlerweile 24 Jahre alt ist und noch immer nicht an Debian herankommt.

Adobe Air und Twhirl unter Debian

Montag, 10. August 2009

Den Twitter- und identi.ca-Clienten gwibber habe ich ja unter Debian zum Laufen gebracht. Das Teil ist auch nicht schlecht, aber es fehlen mir einige Sachen, wie das Vergrössern des Eingabefeldes oder das Taggen von Beiträgen. Und so suchte ich noch etwas weiter, fand aber nichts Brauchbares.

So habe ich mich einmal wieder mit Adobe Air beschäftigt. Die Engine gibt es ja seit geraumer Zeit auch für Linux. Dazu lädt man sich die Datei AdobeAIRInstaller.bin herunter, macht sie ausführbar und ruft sie hernach mit Root-Rechten zum Installieren auf:

[Pfad zur Datei]./AdobeAIRInstaller.bin

Die Installation läuft grafisch ab und ist einfach. Danach kann man sich die verschiedenen Applikationen dazu nachladen und nutzen.

Adobe AIR einrichten

Mich interessiert vor allem die Adobe Air Applikation Twhirl, denn die unterstützt auch den Dienst identi.ca, was beispielsweise TweetDeck nicht tut. Aktuell gibt es die Version 0.9.2 zum Download.

Die heruntergeladene Datei twhirl-0.9.2.air lässt sich dann simpel mit einem Doppelklick installieren.

Anwendung installieren

Danach muss man sich bloss noch die Accounts einrichten und kann loslegen. Twhirl bietet einiges mehr als gwibber und bindet sich soweit auch ganz gut in den Desktop ein. Ab und an hustet der Client ein bisschen, das hat aber wohl eher mit den Problemen im Zusammenhang mit der Verwaltung des flüchtigen Speichers von Adobe Air als mit Twhirl selbst zu tun.

Twhirl

Ausserdem muss man sich im Klaren sein, dass Adobe Air und die Applikationen mitunter eine Gefahr für das System darstellen können. Was da genau abgeht, entzieht sich der Kontrolle des “normalen” Benutzers. Auch die Speicherprobleme können lästig sein. Wer sich diesen Einschränkungen und Risiken bewusst ist, findet mit Twhirl einen guten Clienten für Twitter und Konsorten.

Debian GNU/Linux – Das umfassende Handbuch

Freitag, 07. August 2009

Der Verlag Galileo Computing zu Bonn hat mir ein Rezensionsexemplar des Handbuches Debian GNU/Linux zur Verfügung gestellt. Das Buch ist in der dritten, überarbeiteten und erweiterten Auflage in diesem Jahr erschienen. Verfasst hat es Heike Jurzik.

Debian GNU/Linux - Das umfassende Handbuch

Das gut 800 Seiten starke Buch ist sauber gebunden und beinhaltet eine DVD mit dem aktuellen Lenny sowie – wie es bei Galileo Computing immer üblich ist – einen Online-Zugang zu Aktualisierungen zu diesem Werk.

Debian ist aus meiner Sicht keine prädestinierte Distribution für Einsteiger. Wohl sind einige Abkömmlinge daraus, wie etwa Linux Mint, Knoppix und natürlich Ubuntu typische Einsteiger-Distributionen, aber die Mutter jener “Linuxe” ist doch wohl eher etwas für User, welche Linux schon etwas kennen. Dennoch richtet sich dieses Buch auch an Einsteiger, was mich etwas erstaunt und zugleich freut.

Heike Jurzik gliedert ihr Werk in drei Hauptteile auf: Installation, Desktop und Administration. Die Gliederung scheint mir recht sinnreich zusammengestellt. Im ersten Teil gibt es eine kleine Einführung zu Linux und zu Debian, die mir aber eher etwas oberflächlich scheint. Will die Autorin Ein- und Umsteiger ansprechen, dürften hier durchaus noch einige Informationen mehr zum Linux-Kernel und dessen Aufgaben zu finden sein, auch zu Richard Stallman würde ich noch gerne etwas mehr lesen. Was in der Einführung allerdings gut zur Geltung kommt, ist die Philosophie, welche die Debian-Gemeinschaft zusammenhält, auch wenn die Autorin hier keine kritischen Worte findet. Sie streicht einfach die positiven Eigenschaften dieser weltweiten Gemeinschaft heraus und verschweigt – wohl aus gut überlegten Gründen – die Reibereien und politischen Diskussionen innerhalb der Gemeinschaft.

Die technischen Informationen aus allen drei Hauptbereichen liefert die Autorin in einem leicht zu lesenden Deutsch. Das Buch liest sich einfach, schnell und bequem. Frau Jurzik beschreibt die Installation von Debian in vielen Varianten, darunter auch für Leute, die von Windows herkommen und Debian als zweites OS nutzen möchten. Ausserdem gibt es im ersten Teil viele Informationen zum Netzwerk, X-Server, Paketverwaltung und zum Thema Drucken. Alte Profis dürften in diesem Abschnitt nicht mehr allzu viel Neues entdecken, ausser wohl die Neuerungen, welche Lenny gegenüber Etch bei der Installation mitbringt. Für mich sind in diesem Teil aber schon noch einige Schätze zu heben, gerade die unzähligen Schalter zu apt-get finde ich spannend, aber auch der Unterschied zwischen apt-get und aptitude.

Im mittleren Teil geht es dann an das Einrichten des Systems. Gnome, KDE und alternative Windows-Manager wie Xfce oder LXDE werden besprochen. Diverse Internet-Applikationen kommen zur Sprache und Büro-Anwendungen wie OpenOffice, Latex, PDF, Desktop-Publishing, Vektorgrafik-Programme, PIMs und Scannen wie Faxen werden vorgestellt. Weiter gibt es einen grossen Bereich zum Thema Multimedia und eine Sektion mit Tipps zur Selbsthilfe und der Community. Auch hier richtet sich der Inhalt an Einsteiger und an Menschen, die Debian schon etwas kennen.

Der wohl spannendste Teil ist der abschliessende mit dem Titel Administration. Hier finden sich zahlreiche Informationen zu Hintergründen von Linux (Dateisystem, Benutzerverwaltung etc.), zu Editoren wie Emacs und weiteren, natürlich wird die Shell besprochen. Dann folgt der Serverteil, in dem Bereiche wie Mailserver, Bind-Server, Webserver, FTP-Server, Samba und die Sicherheit angeschaut und besprochen werden.

Abschliessend folgen Informationen zum Upgrade von Etch auf Lenny sowie einige, leider etwas oberflächliche Sätze zum Thema Kernel kompilieren.

Das Werk ist aus meiner Sicht vor allem ein Buch für Einsteiger und User, die Debian schon etwas kennen und damit einige Zeit gearbeitet haben. Mit dem Werk kann eine Menge gelernt werden. Auch Ubuntu-User finden in diesem Buch wichtige Informationen. Hierzu empfiehlt sich ergänzend die Lektüre des OpenBooks ebenfalls aus dem Hause Galileo Comuting namens Ubuntu GNU/Linux.

Alte Hasen und versierte Systemadministratoren werden mit diesem Buch einen eher kleinen Gewinn erzielen. Für jene Zielgruppe würde ich eher ein Buch wie Debian GNU/Linux aus dem Hause Springer empfehlen. Jenes Buch ist aber leider im Moment vergriffen.

Wie dem auch sei; Debian GNU/Linux – Das umfassende Handbuch aus dem Hause Galileo Computing bietet für mich zahlreiche Informationen zu Debian, viel Unbekanntes konnte ich entdecken und so nutze ich das Buch vor allem als Nachschlage- und Stöberquelle. Es ist im Handel für knapp 40 Euro zu haben und trägt die ISBN-Nummer 978-3-8362-1386-6.

Hoher Besuch in Andelfingen

Samstag, 11. Juli 2009

Hoher Besuch beehrte uns heute in unserem bescheidenen Heim zu Andelfingen. In dem Dorf, das bald 1.250 Jahre jung wird, trafen Individualisten und Webworker aufeinander, es wurde spannend und spassig; wie es eben sein muss. Ute, Silvia, Dirk, Roland und unsere Familie trafen sich, um uns auszutauschen und unsere Freundschaft zu pflegen. Und bei der Gelegenheit wollten Dirk und ich für DeimHart.net wirken.

Besuch

Das haben wir dann auch getan und bereiteten infolge der Ferienzeit etwas früher als sonst die vierte Folge vor. Sie wird etwas kürzer ausfallen, dafür umso spannender und knackiger. Themen wie UbuntuOne und Zeitmanagement prägend den Podcast, für das letztere Thema haben wir uns aber entschieden, in der Folge 6 einen Schwerpunkt daraus zu machen. In der übernächsten Folge, in der Nummer 5, reden wir dann mit und über Ute und Roland, wie sie den Spagat von Gentoo nach Ubuntu geschafft haben.

Die vierte Folge erscheint am Montag, den 4. August. Aufbereitet durch Dirk wird sie dann wie immer auf DeimHart.net zu hören sein.

Virtual Box 3.0

Dienstag, 07. Juli 2009

Die VirtualBox – eines meiner Lieblingstools schon seit Längerem, auch nachdem es schlussendlich zu Sun und damit zu Oracle gehören mag – erschien neulich in der Version 3 mit vielen neuen Features und Verbesserungen. Unter Debian Lenny lässt sich das Teil natürlich auch nutzen. Und so habe ich von der Version 2.2.4 auf 3.0 upgegradet, ganz einfach und simpel – wie ich es eben mag.

Um es noch einfacher zu machen, kann man sich die sources.list mit den richtigen Quellen erweitern:

gedit /etc/apt/sources.list

Und dann die Zeile

deb http://download.virtualbox.org/virtualbox/debian lenny non-free

ergänzen. Den dazugehörigen Schlüssel gibt es hier oder man kann sich den auch direkt per wget einspielen lassen. Danach folgt zunächst ein Update der Quellen und Pakete:

apt-get update

und dann darf man sich die neue VirtualBox installieren, wobei die ältere Version ersetzt wird (allerdings bloss bis 1.6.6):

apt-get install virtualbox-3.0

Nach dem Abschluss des Upgrades läuft die VirtualBox ohne Probleme und die VMs ebenso. Auch die USB-Anbindung läuft noch immer.

VirtualBox - Über

Wichtig ist noch, dass es sich bei dieser Beschreibung nicht um die OpenSourse-Version (VirtualBox Open Source Edition (OSE)) handelt, sondern um die unfreie und kostenpflichtige Variante. Allerdings darf man diese Version für private Zwecke kostenlos nutzen.

DropBox unter Debian Lenny nutzen

Freitag, 03. Juli 2009

DropBoxNebst UbuntuOne gibt es ja noch die DropBox – oder eher umgekehrt. Beides sind “Online-Festplatten” mit einigen Zusatzdiensten, die bis zu einem gewissen Grad kostenlos zu nutzen sind. Bei UbuntuOne steht ja noch der Zugriff via Browser offen, auch wenn man kein Ubuntu 9.04 oder höher nutzt. Die DropBox lässt sich unter Lenny ganz gut nutzen. Dort steht der Zugriff via Browser nicht zur Verfügung, der Client muss also installiert werden. Dafür kann man sich Files in die DropBox mailen, was UbuntuOne meines Wissens (noch) nicht anbietet. Allerdings muss man die DropBox unter Debian manuell installieren, was aber keine grosse Sache ist. Gemäss der readme braucht es die beiden Pakete libnautilus-extension-dev und libnotify-dev. Die reichten aber bei mir nicht aus, um zu “maken”. python-docutils fehlte da bei mir noch. Also habe ich die drei Pakete installiert:

apt-get install libnautilus-extension-dev libnotify-dev python-docutils

Die Source bekommt man natürlich auf der DropBox-Website. Die muss entpackt werden und dann lässt sich die Software wie gewohnt installieren, in dem man in das Verzeichnis der entpackten Dateien wechselt und dann

./configure
make
make install

in der Konsole mit root-Rechten eingibt. Danach erfolgt der automatische Download des Wizards und schliesslich kann man mit der Einrichtung der DropBox beginnen. Läuft prima, auch unter Lenny!

Ob ich nun UbuntuOne oder die DropBox nutze, spielt wohl technisch eine Rolle, philosophisch ist es aber Hans wie Heiri, was ich tue. Denn beide Varianten sind nicht frei und widerstreben mir ein klein wenig. Aber doch zu seicht, als dass ich die Software nicht nutzen würde. Bei UbutuOne gibt es vielleicht auch bald einmal ein “Hack”, um das Teil auch ausserhalb von Jaunty zu nutzen. Aber dort steht ja – wie schon erwähnt – der Zugriff über den Browser zur Verfügung.