Ab und an beschaffe ich mir Bücher über den Händler Thalia.ch, den es seit einiger Zeit auch hier in der Schweiz gibt. Dort liess ich mich bewerben; über ein eBookReader, der offenbar zusammen mit Thalia entwickelt wurde. Mit eBook-Readern habe ich keinerlei Erfahrung; wohl deswegen besorgte ich mir diesen Reader, auch deshalb, weil er mir ziemlich billig günstig erschien. Das Gerät nennt sich OYO und stammt aus dem Hause Aldi, beziehungsweise dessen Marke für Elektronikteile namens Medion. Gut 180 Franken will Thali dafür, ein Preis, der im Vergleich zu anderen eBook-Readern recht tief erscheint. Leider ist das, was man dafür kriegt, ebenfalls auf einem recht tiefen Niveau. Das Gerät ist aus meiner Sicht nicht brauchbar. Es ist deutlich zu träge, die Bedienung ist eigenartig und ohne Lichtquelle kann man darin nichts lesen. Es verwendet zwar die neue Technologie “elektronisches Papier” und verbraucht damit eher wenig Strom, dafür ist das Teil lahmer als eine Schnecke im Rückwärtsgang.
Das Gerät ist 124 mal 154 Millimeter gross und dabei 11 Millimeter dick. Es bietet eine Auflösung von 800 mal 600 Bildpunkten bei 167 dpi und 16 Graustufen. Das Display ist als Touchscreen ausgestattet, damit lässt sich scrollen und die automatische Display-Rotation funktioniert in alle Richtungen. Die Schriftgrössenregelung ist sechsstufig möglich, es gibt dabei fünf Schrifttypen zur Auswahl. Weiter sind vier Hardware-Tasten für den direkten Zugriff auf die wichtigsten Funktionen eingebaut, das Gerät wiegt 240 Gramm. Daneben sind zwei GB Speicher eingebaut, wovon 1.5 GB zur Verfügung stehen. Mit eine Mini-SD-Card lässt sich der Speicher bis auf 32 GB erweitern. Schnittstellen zur Aussenwelt besitzt das Gerät vier Stück: WLAN 802.11 b/g, ein USB 2.0-Anschluss, einen SD-Card-Slot und die obligate Audiobuchse für Kopfhörer mit einer Miniklinke. Der Akku besteht aus einem Li-Ionen-Teil, der 1200 mAh stark ist. Die Laufzeit wird mit maximal 8000 mal blättern angegeben, was das auch immer heissen soll. Das Gerät beherrscht die Formate Epub, PDF, TXT, HTML, JPEG, PNG, BMP und MP3. Damit kann man also auch Musik hören und seine Bilder in Graustufen ansehen.
Im Innern läuft eine Art Linux. Was aber es genau ist, konnte ich nicht herausfinden; eventuell weiss dazu Unki mehr. Als Linux-User stört mich natürlich am meisten die Geschichte mit DRM, welches auch der Shop von Thalia einsetzt. Einmal davon abgesehen ist der Shop von Thalia nicht unbedingt benutzerfreundlich, da Bestellungen offenbar nur während den Bürozeiten abgearbeitet werden. Ich habe am Freitag Abend direkt über das Gerät ein eBook bestellt und konnte es erst am Montag herunterladen. Da ist meiner Ansicht nach unzureichend. Solche Dinge sollten vollautomatisch laufen, zumal die Bezahlung ausschliesslich über Kreditkarte möglich ist.
Als besonders lustiger Witz erachte ich die Anmeldung beim Online-Konto bei Thalia direkt mit dem Gerät. Dort wird bei jedem Zugriff das Kennwort gefordert, was eigentlich in Ordnung ist. Denn das Gerät selbst wird beim Einschalten durch keine Eingabe eines Benutzers oder Kennwort geschützt. Damit das Kennwort eingegeben werden kann, erscheint die virtuelle Tastatur, auf der das Kennwort im Klartext zu sehen ist. Erst wenn man es übernimmt, um es dem Browser zu übertragen, wird es als Kennwort im entsprechendem Feld mit Sternen angezeigt. Dazu sollten sich die Jungs von Medion etwas einfallen lassen. Kennwörter auf dem Bildschirm im Klartext anzuzeigen gehört zu den Todsünden, finde ich.
Das Setzen von Lesezeichen ist ebenfalls eine Seuche. Zunächst muss man den virtuellen Button ganz unten Links am Bildschirm per Touchscreen anklicken, was äusserst schwer fällt, weil der Rahmen des Gerätes im Weg ist. Dann darf man sich durch das Menü hangeln und findet dann den Eintrag Lesezeichen. Stattdessen würde ich lieber auf die entsprechende Stelle im Text “klicken” um ein Zeichen zu setzen. Das Blättern von Seiten läuft nicht flüssig, per Hardware-Tasten klappt es einigermassen. Will man aber mit dem Finger wie bei einem richtigen Buch blättern, funktioniert dies das eine mal, das andere mal wieder nicht. Die Geschwindigkeit des Seitenwechsels ist deutlich zu langsam. Lesen wird so zur Anstrengung. Die Technik, welche die Seiten so anzeigt, dass kein Strom verbraucht wird, wenn sich nichts verändert, bringt einen klaren Bildschirm mit einer sehr gut leserlichen Schrift zu Tage. Ausserdem kann man die Schriftgrösse einstellen. Der Bildschirm spiegelt nicht, das ist sehr positiv. Allerdings gibt es keine Möglichkeit, den Bildschirm durch das Gerät selbst zu beleuchten. Wenn also zu wenig Licht vorhanden ist, kann man vom Gerät nicht lesen. Ich weiss nicht, ob dieser Umstand technologisch begründet ist. Bei einem richtigen Buch muss man sich um die nötige Beleuchtung kümmern, bei einem eBook-Reader sollte das nötige Licht vom Gerät kommen, auch wenn dadurch die Akku-Laufzeit reduziert wird.
Immerhin erscheint ein witziger Bildschirm, wenn das Gerät länger nicht benutzt wird. Um es aus dem Schlaf zu holen, braucht es nebst dem geforderten Klick auf die Ein-Aus-Taste eine gehörige Portion Geduld. Das Gerät lässt sich auch an Ubuntu nutzen; der interne Speicher kann per USB angesprochen und beschrieben werden.

Das Gerät wurde wahrscheinlich aus zwei Gründen entwickelt. Erstens wollte wohl Thalia mit einem günstigen Gerät in das zementierte Marktsegment der eBook-Reader eindringen und zweitens würden das Unternehmen sicherlich gerne die OYO-Benutzer noch näher an ihr Buchgeschäft binden. Dank DRM wird ja jede auch nur annähernd nach Missbrauch riechende Aktion im Keim erstickt. Ob Thalia die beiden Ziele mit dem Gerät erreichen wird, wage ich zu bezweifeln. Es ist mir klar, dass ich für knapp 200 Franken kein Hochleistungsgerät bekomme. Aber etwas mehr Performance hätte ich schon erwartet. Ich bin bitter enttäuscht vom OYO. Das Gerät gehört für mich zur Kategorie “Unbrauchbar”.