Nebst dem Webclient Horde oder RoundCube, die ich vor allem von unterwegs aus nutze, setze ich nach wie vor noch auf einen lokal installierten Clienten. Die Vorzüge bilden meiner Meinung nach noch immer einen guten Grund, ein solches Programm wie Thunderbird, Sylpheed, oder Evolution einzusetzen. Einige Zeit verwendete ich Sylpheed und wechselte dann zum Thunderbird. Nun will ich den Clienten Claws Mail etwas genauer ansehen und habe ihn deshalb installiert.
Direkt aus den offiziellen Quellen bekommt man Claws Mail mit dem üblichen Befehl sudo apt-get install claws-mail, die Lokalisierung dazu (claws-mail-i18n) sollte automatisch mitkommen. Allerdings ist die Version nicht aktuell und Teile der Plugins (Installation über sudo apt-get install claws-mail-extra-plugins) können nicht benutzt werden, da die Version offenbar nicht mit derjenigen von Claws Mail übereinstimmt. Das ist ärgerlich, neu kompilieren ist eher schwierig, da die Plugins auf der Website von Claws Mail jeweils in der neuesten Version angeboten werden, welche für Claws Mail selbst wiederum nicht in den Quellen vorhanden ist.

Deswegen plädiere ich für eine “Quasi-Fremdquelle”, in der alle aktuellen Pakete in der Weise vorhanden sind, dass sie sauber zusammenspielen: Launchpad. Dazu muss zunächst die sources.list erweitert werden. Mit dem Gnome Editor (oder ein Werkzeug der Wahl) wird die Datei mit Root-Rechten geöffnet:
sudo gedit /etc/apt/sources.list
Am Ende der Datei sollten nun diese drei Zeilen eingefügt werden, dieses Beispiel basiert auf Jaunty Jackalope (Ubuntu 9.04):
# Fremdquellen für Claws Mail
deb http://ppa.launchpad.net/claws-mail/ppa/ubuntu jaunty main
deb-src http://ppa.launchpad.net/claws-mail/ppa/ubuntu jaunty main
Danach die Datei speichern und den Editor schliessen. Jetzt muss die Signatur dazu zum Paketmanager hinzugefügt werden. Einfach geht das, wenn die entsprechende Signatur, in diesem Fall diese hier, kopiert und in einer Datei abgespeichert wird, um sie hernach im Paketmanager zu integrieren. Dazu öffnet man die Synaptic-Paketverwaltung (unter System / Systemverwaltung im deutschen Gnome) und fügt dann unter den Einstellungen / Paketquellen
die Signatur in der Reiterkarte Authentifizierung mit dem Button Schlüssel importieren hinzu.

Jetzt braucht man bloss noch apt zu aktualisieren, das geht am einfachsten mit der Paketverwaltung oder per Terminal mit sudo apt-get update. Ob Claws Mail bereits von einer andern Quelle installiert wurde oder nicht, spielt keine Rolle. Ab jetzt wird Launchpad die neuste Version ausliefern. Das ist eines der schönen Dinge am Linux und bei debianbasierenden Systemen an apt: Die Paketverwaltung ist einfach, schnell und stabil, einfach Klasse!
Um nun Claws Mail zu installieren oder zu aktualisieren, einfach denselben Befehl in der Konsole absetzen und das war es dann schon:
sudo apt-get install claws-mail
Damit funktionieren (fast) alle Plugins und man kann nun den Mailclienten richtig fett testen. Ich musste zunächst den Bogofilter trainieren, das kann durchaus eine Weile dauern, aber mit der Zeit wirkt der recht zuverlässig. Besonders gefällt mir die Darstellung in der Baumansicht. Damit wird visualisiert, wie das mitunter recht lang ausartende Frage- und Antwort-Spiel per Mail ausschauen kann.

Weiter unterstützt Claws Mail in der aktuellen Version (3.7.1) die neue Benachrichtigungs-Technik von Ubuntu und neuankommende Mails generieren so eine “desktop-integrierte” Nachricht. Für mich ein weiterer wichtiger Punkt ist die Unterstützung gnupg, was bei Claws Mail der Fall ist. Ausserdem stehen wie gesagt viele Plugins, Themes und Skripte zur Verfügung. Claws Mail ist sehr fein konfigurierbar, meiner Ansicht nach viel detaillierter als bei vergleichbaren Clients. Ich halte Claws Mail für ein erwachsenes und gut brauchbares Mailprogramm.