Schon ist der grösste Event im deutschsprachigen Raum zum Thema OpenSource und Linux wieder Geschichte. Der LinuxTag in Berlin ist vorbei; ich behalte ihn mit tiefen Eindrücken in Erinnerung. Am vergangenen Dienstag flog ich nach Berlin, um am Aufbau des Standes von RadioTux zu helfen und um die ersten Interviews für das freie Radio aufzuzeichnen. Darauf folgten vier volle Tage an der Messe, die ich jeweils im Dienste von RadioTux verbrachte und schliesslich am gestrigen Sonntag der Rückflug nach Zürich.

Beim Hinflug dachte ich daran, dass ich eigentlich privilegiert wäre. Denn ich kann einfach so Urlaub nehmen, nach Berlin fliegen und dort fünf Tage lang meinem Hobby frönen, ein Hotel bezahlen und für andere Kosten aufkommen. Das kann nicht jeder oder mindestens nicht in der Weise. Andererseits stecken viel Arbeit, viel, sehr viel Zeit und natürlich auch andere Ressourcen da drin. Und doch ist es etwas besonderes, wenn man einfach so ausserhalb der beruflichen Umfeldes an einer Messe im OpenSource-Bereich mithelfen kann.
Wir hielten bei RadioTux über 60 Interviews, dazu streamten wir Vorträge und andere Präsentationen. Ausserdem lieferten wir einen Livestream von der Univention-Bühne und zeitweise von der OpenSource-Arena aus. Unser Bürgermeister legte sich voll in das Zeug und zauberte einen wirklich guten und inhaltlich reichlich angefüllten Sendeplan hervor, die Interviewpartner waren allesamt kompetent und spannende Leute. Es hat grossen Spass gemacht, die Menschen zu befragen und dabei habe ich eine ganze Menge gelernt. Die einzelnen Beiträge, welche wir live streamten, werden nach und nach als Podcast auf der Website von RadioTux zur Verfügung gestellt.
Auch Ubuntu war reichlich vertreten, ausserdem widmeten wir von RadioTux aus den Samstag dem Thema Ubuntu. Dabei sind einige interessante Inhalte entstanden; wir haben dazu schon auf Ikhaya berichtet. Ebenfalls war der Begründer von Ubuntu, Mark Shuttleworth, am LinuxTag und an der Schlussfete von Ubuntu-Berlin anwesend und gab während der Messe ein Interview und hielt einen Vortrag. Dabei hat mich gestört, dass bei Mark immer mehr Aufwand betrieben wurde, als bei andern Gästen. So auch an unserem Stand bei RadioTux. Es hatte sich während den vier Tage kaum jemand darum gekümmert, ob die Mikrofone am Univention-Stand für die Gäste und Interview-Partner richtige platziert und eingestellt waren. Aber als Herr Shuttleworth kam, kümmerten sich alle RadioTuxler darum. In der Linux-Welt schleicht sich die gleiche Hörigkeit gegenüber Göttern ein, wie überall sonst auch. Ich mag es nicht, wenn Menschen aufgrund ihrer Medienstärke und ihres Geldes bevorzugt werden. Ich will hier keineswegs die Leistungen von Mark Shuttleworth schmälern, aber er ist einer von vielen, wie wir auch. OpenSource und Community funktioniert aufgrund der Mannigfaltigkeit und der Vernetzung der Einzelnen. Sein Geld allerdings, beziehungsweise die Menge davon, sticht schon heraus. Selbstverständlich hallt in meiner Kritik eine gehörige Portion Neid wider.
Währen der Messe konnte ich einige Bilder erzeugen, eine Auswahl daraus habe ich auf meiner Website platziert. Aufgrund des engmaschigen Sendeplans konnte ich nicht viel von der Messe sehen. Ich befand mich meist in unserer Halle, ab und zu lag ein kurzer Marsch zur OpenSource-Arena drin und das war es dann schon. Auch von der wunderschönen Stadt Berlin, die ich das erste Mal besuchen konnte, sah ich leider nicht sehr viel. Aber das, was ich wahrgenommen habe, hat mich überzeugt, hier noch einmal vorbeizukommen. Berlin ist eine Grossstadt, die eigentlich ein Dorf ist. Ich fand keine Hektik, eine eigentümliche, sympathische Ruhe liegt hier über der Stadt. Die Leute sind offen und freundlich, erzählen gerne von ihrer Stadt und sind allesamt von ihrer Heimat begeistert. Das steckt an. Ja, ich werde mit Bestimmtheit mit meiner Familie dieses Berlin noch einmal ansehen.
Der nächste LinuxTag im Jahr 2011 wird etwas früher ausfallen. Vom 11. bis 14. Mai sind dann die Tore zum grössten Event über Linux und OpenSource geöffnet. Ob ich dann wieder am RadioTux-Stand sein werde, oder vielleicht am Stand von ubuntuusers.de, das werde ich sehen. Es ist noch nicht einmal sicher, ob ich dannzumal überhaupt nach Berlin reisen kann.