Balsa, der vergessene Mail-Klient
Es ist schon fast zwei Jahre her, als ich mich gefragt habe, weshalb der Gnome-Mail-Klient Balsa ein solch stiefmütterliches Dasein fristet; mindestens aus meiner Warte gesehen. Freilich, Thunderbird, Claws-Mail sowie Evolution und wohl auch noch weitere Programme leisten auch heute noch mehr und sind feiner konfigurierbar, aber Balsa holt auf. Ein Vorteil bei Balsa ist, dass er ohne viel Aufwand die lokale Maileinrichtung nutzen kann, trotzdem aber SMTP, POP3 und IMAP versteht.

Balsa nutzt mittlerweile die systemweite Benachrichtigung, wie sie unter Ubuntu häufig eingesetzt wird. Der Klient kann mit mehreren Konten problemlos umgehen und ermöglicht ausserdem verschiedene Identitäten. Auch zeigt das Programm HTML-Mails an und verschickt – vorausgesetzt, es ist alles richtig konfiguriert – keine HTML-Mails. Das gehört sich auch so und jeder einigermassen erwachsene Mailklient sollte vorzugsweise Nachrichten im Klartext versenden. Beim Balsa muss man dazu unter Bearbeiten / Einstellungen / Nachricht den Haken bei Klartext (text/plain) gegenüber HTML bevorzugen setzen und bei der betreffenden Identität unter Nachrichten den Wert Nachrichten als einfachen Text und HTML senden nicht aktivieren. Falls der Quelltext einer Nachricht angezeigt werden sollte, nutzt Balsa einen eigenen, kleinen Editor, der das Mail (bei uns hier heisst es tatsächlich das und nicht die Mail), der den Quelltext sauber darstellt. Beim Erstellen von Mails steht eine Rechtschreibprüfung für die üblichen Zonen der deutschen Sprache wie der Schweiz, Deutschland Österreich und so weiter zur Verfügung.

Es gibt ein gutes Filterwerk, bei der Bekämpfung von Spam-Mails soll der bogofilter oder SpamAssassin Abhilfe schaffen. Dazu kann eine Spam-Nachricht mit der rechten Maustaste markiert und der Kontextbefehl Leiten durch angewählt werden, worauf der Befehl sa-learn --spam (für SpamAssassin) ausgeführt werden sollte. Bei meiner Umgebung musste ich Spamassassin nachträglich installieren:
sudo apt-get install spamassassin
und bei der Konfigurationsdatei unter /etc/default/spamassassin den Wert ENABLED auf 1 setzen und anschliessend den Deamon starten:
sudo /etc/init.d/spamassassin start
Danach lernt Balsa zusammen mit dem Spamassassin artig, was gut und vor allem böse ist. Der Einsatz von GnuPG ist kein Problem. Das Adressbuch kann eine ldif-Datei anzapfen, ohne den Inhalt zuerst importieren zu müssen. Das finde ich eine gute Idee, vielleicht können das auch andere Programme und ich habe es nicht bemerkt.

Leider habe ich keinen Weg gefunden, mit den einzelnen Items eines Adressbuches einen Verteiler oder eine Liste zu erzeugen. Diese Option gibt es wohl noch immer nicht. Das Fehler dieser Funktion dürfte für viele Benutzer ein Kriterium sein, Balsa nicht zu nutzen.
Die Werkzeugleisten lassen sich recht einfach und schnell den Bedürfnissen anpassen, wobei ich die Option vermisse, dass die Symbole ohne Unterschrift angezeigt werden. So können die Werkzeugleisten vom Hauptfenster, Editor-Fenster und diejenige vom Nachrichtenfenster angepasst werden.

Ich erachte Balsa als eine recht gute und vor allem nicht alltägliche Alternative zu den üblichen Verdächtigen. Es mögen durchaus noch einige Funktionen fehlen, aber es ist aus meiner Sicht nicht gerechtfertigt, dass Balsa derart im Hinterkämmerchen versteckt gehalten wird. Vielleicht wollen das die Entwickler, ich mag das aber nicht so recht glauben. Wahrscheinlich nimmt niemand Schaden, wenn das Programm etwas näher an das Rampenlicht gestellt wird.
Balsa kann über die Repositories von Ubuntu installiert werden. Das Paket heisst schlicht und ergreifend balsa. Aktuell befindet sich dort die Version 2.3.28 vom 18. Januar 2009. Auf der Website des Projekt gäbe es noch frischere Versionen, aktuell die 2.4.7 vom 13. Januar 2010. Ein Paketdepot für Ubuntu zu diesen neueren Versionen habe ich aber nicht gefunden; selbst wäre der Mann.


11. März 2010 um 09:05 Uhr
Danke für den Tipp!
11. März 2010 um 11:03 Uhr
Balsa ist ein schönes Programm. Vor allem schön schlank für alte Rechner.
Danke, dass du es mal ausgegraben hast
11. März 2010 um 16:38 Uhr
“(bei uns hier heisst es tatsächlich das und nicht die Mail)”
Das heisst in Deutschland “die Mail”?
Immer diese komischen Deutschen. xD
11. März 2010 um 18:32 Uhr
das in den ubuntu-repositories hinterlegte balsa hatte bei mir einen bug, so dass ich keine emails versenden konnte. es wurde jeweils das “to”-feld gelöscht. die mail wurde lediglich in die lokale outbox verschoben mit einem roten ausrufezeichen.
lieber gleich die neuere version von der homepage der entwickler herunterladen und kompilieren. jetzt läuft es wenigstens.
11. März 2010 um 22:19 Uhr
Über die Mail-Adressen solltest Du aber nochmal die Bewegungsunschärfe ‘rüberhuschen lassen
12. März 2010 um 08:49 Uhr
@balsa_nutzer: Dachte ich mir auch schon, ob ich die neuere Version nutzen soll. Offensichtlich nutzt es etwas. Danke!
@OttoKrüja: Die sind schon “bewegunsverunschärft”. Kannst Du die etwa noch lesen? Ich nicht.
12. März 2010 um 13:59 Uhr
Ich würde nochmal über die Emailadressen mit dem “Verwischen-Werkzeug” drübergehen…
12. März 2010 um 16:57 Uhr
So, wer das jetzt noch lesen kann, ist ein Genie oder ein Hisch
15. März 2010 um 22:23 Uhr
Ich liebe mein Mozilla Thunderbird, denn es bietet mir alle Funktionen, die ich brauche. Outlook schreckt mich schon seit Office 97 ab, denn dieses Programm hat immer sehr lange geladen und ich wusste micht, was ich wo einstellen kann. Mit Thunderbird habe ich nun endlich keine Probleme mehr und ich bin wirklich froh, dass alles mitterweile reibungslos funktioniert.