Linux – Das umfassende Handbuch

Es ist in der Tat umfassend und weitreichend, das Handbuch zu Linux. Erschienen ist der Titel im Galileo Verlag zu Bonn in der 3. und aktualisierten sowie erweiterten Auflage im Jahre 2009. Linux – Das umfassende Handbuch ist ein Buch, das 1’165 Seiten umfasst. Das Buch ist ausgestattet mit zwei DVDs und einem Online-Zugang zu Aktualisierungen. Ausserdem ist das Werk als OpenBook verfügbar. Verfasst haben es Johannes Plöttner und Steffen Wendzel. Diese Ausgabe ist dermassen dick ausgefallen, dass sich das Buch nicht mehr wirklich handlich nutzen lässt. Es ist zu schwer und einfach zu dick. Würde er herunterfallen, würde die Buchbindung zerreissen. Ich hätte eher zwei Bücher daraus gemacht, aber es gibt wohl auch gute Gründe für eine einzige Bindung. Weiter vermisse ich bei einem solch dicken Schinken mehrere Buchzeichen. Das eine Stoffband erlaubt nur eine Markierung, was bei einem umfangreichen Buch einfach zu wenig ist. Freilich kann man auch einfach papierne Buchzeichen oder Posit-Zetteli verwenden, schöner und vor allem benutzerfreundlicher sind Stoffbänder. Bei diesem Buch hätten es gut gerne vier oder fünf Buchzeichen in verschiedenen Farben sein können.

Ich will hier nicht das ganze Werk behandeln, sondern ein paar Kapitel und Teile beschreiben, die mir besonders aufgefallen sind. Sieben Hauptteile, die sich in Kapitel verzweigen, sind in diesem Buch vorhanden. Eine Einführung zeigt die Grundbegriffe und die Geschichte von Linux auf. Dieses Kapitel erachte ich als ganz gut, obschon es nicht durchgehend als Einführung zu lesen ist. Denn einige technischen Begriffe erscheinen plötzlich, ohne dass sie zuvor erklärt wurden, andere erfahren eine detailreiche Beschreibung. Die Konsistenz fehlt hier meiner Ansicht nach, insbesondere, da das Buch auch für Einsteiger geeignet sein soll. Aber dieses Kapitel lohnt sich dennoch zum Durchlesen; Anfänger und auch solche Leser, die Linux schon etwas kennen, werden viel Neues entdecken.

Die Grundlagen aus Anwendersicht geben ein sehr guten Überblick über die Verwendung von dem Betriebssystem ab. Dabei werden – soweit das überhaupt möglich ist – die verschiedenen Linux- und Unix-Derivate berücksichtigt. Ich bin der Meinung, dass hier jeder Nutzer, ob alter Profi oder Einsteiger, noch das eine oder andere Interessante finden wird. Es gibt zwar – dem Kapitel treu bleibend – wenig konkrete Informationen, die sich nutzen lassen, dafür ist das vermittelte Wissen aus übergeordneter Sicht umso wertvoller.

Der für mich interessanteste Teil ist das Kapitel Shell. Wäre das Buch nicht dermassen unhandlich dick, würde es glatt als sehr gutes Nachschlagewerk, das immer neben dem Rechner stehen würde, durchgehen. Aufgeschlagen ist der Buchrücken fast acht Zentimeter dick und braucht all seine Kraft, um das Buch einigermassen stabil zusammenzuhalten. Trotzdem: Dieses Kapitel würde ich salopp gesagt als einfach geil bezeichnen. Es ist einer jener Abschnitte in einem Buch, in dem man stundenlang blättern und das Geschriebene am Rechner ausprobieren möchte. Gleichzeitig ärgert man sich, dass sich nicht alles, was man soeben getestet hat, im Gedächtnis in der Weise verankert ist, dass es sofort bei Bedarf hervorgekramt werden kann. Aber dafür hat man ja das Buch, um nachzusehen – oder auch das OpenBook, um online nachzuschlagen. Ich behaupte, wer den Inhalt dieses Kapitel nur zu einem Fünftel nutzen kann, sollte das Buch kaufen.

Das achte Kapitel mit der Benutzerverwaltung halte ich für sehr gut geschrieben. Deutlich kommt dabei zum Beispiel der Unterschied zwischen adduser und useradd, beziehungsweise addgoup oder groupadd zum Ausdruck. Ebenso gibt es eine gute Beschreibung zur Differenz zwischen su und sudo. Für mich sehr interessant waren die beiden Teile zum Thema Network Information Service NIS und Lightweight Directory Access Protocol LDAP. Vor allem Letzteres, weil auf jenes sehr genau eingegangen wird. Und LDAP kann man ja sehr verschiedentlich einsetzen.

Die allgemeinen Verwaltungsaufgaben werden in einem eigenen Kapitel beschrieben. Ich halte den Teil für den Zweitwichtigsten, gleich nach dem Thema Shell. Allerdings kann ich mir nicht so gut vorstellen, dass die Erklärung von den Herren Plötner und Wendzel zum Oktetttripel bei der Rechtevergabe jemand ohne Weiteres versteht. Ich musste durfte das Umrechnen von Dezimalzahlen in binäre Werte auch dereinst lernen und ich weiss noch immer wie es geht, aber der Erklärung im Buch kann ich nicht folgen. Entweder stehe ich mit meiner Intelligenz an oder die beiden Mannen können die Umrechnung einfach nicht so erklären, dass man sie nachvollziehen kann. Äxgüsi, aber das versteht nun wirklich (fast) niemand. Der Rest des Kapitel ist aber erste Sahne. Da werden nämlich die Programme chmod, chown, chgrp, umask und weitere, aber auch die Access Control List ACL sehr genau und auch sehr gut erklärt. Das finde ich sehr wichtig, sind doch diese Programme zentral für die Verwaltung in Sachen Rechte.

Schön finde ich, dass die Autoren Advanced Packaging Tool APT als Erklärungsgrundlage für die Paketverwaltung gewählt haben. APT stammt ja aus dem Debian-Projekt, das wiederum als Grundlage für Ubuntu dient. Damit kann ich aus diesem Kapitel sehr viel profitieren. Beispielsweise wird apt-cache search erklärt, womit in den Repositories gesucht werden kann, aber auch das händische Pendant zu APT wird aufgegriffen: dpkg. Und natürlich wird der RedHat Package Manager RPM nicht verschwiegen. Im Gegenteil: Es gibt Informationen dazu, wie sich rpm unter Debian nutzen lässt. Aber auch netpkg, das beispielsweise slackware nutzt, wird besprochen. Ebenso las ich über emerge, welches Gentoo nutzt und das selber Kompilieren ist auch ein Thema. Das Thema Paketverwaltung ist recht breit ausgebaut und bietet auch Informationen aus den verschiedensten Distributionen, obschon grundsätzlich APT als Grundlage herbeigezogen wird.

Ebenso interessant fand ich das Kapitel über crontab. Darin eingebettet ist das Thema at. Wer sich in diesem Bereich weiterbilden oder auch “nur” Grundlagen in Erfahrung bringen will, kommt hier auf seine Kosten. Dasselbe lässt sich auch beim Thema syslog sagen. Die Erklärungen und Beispiele sind ausreichend, um damit selbst weiterzukommen.

Das zehnte Kapitel beschreibt das Netzwerk. Es gibt ja haufenweise Bücher zu diesem Thema, die sich bloss auf Netzwerke konzentrieren. Hier in diesem Buch sind denn die Erklärungen und Grundlagen nicht in alle Details bereitgestellt, aber es gibt eine sehr gute und straff gehaltene Einführung, die mir gefällt. Denn die wichtigsten Elemente werden besprochen und danach liegt der Fokus – wie es der Titel des Buch auch vorgibt – auf Linux. Ich will hier auf keine Details eingehen, kann aber feststellen, dass alle relevanten Informationen zu einem Linux-System in Sachen Netzwerk und Routing vorhanden sind. In speziell komplexen oder eigenartigen Fällen braucht es unter Umständen zusätzliche Informationen, die nicht in diesem Buch vorliegen. Im darauf folgenden Kapitel geht es um die Applikationen in einem Netzwerk. Dieses Kapitel ist auffallend schmal ausgefallen. Es werden FTP-Klienten, Mailprogramme, Browser, NTP, IRC, RSS und das Usenet besprochen. Aber leider alles etwas kurz und rasch, fast oberflächlich. Die Autoren schreiben zwar, dass die meiste Software wie Browser oder Mailprogramme intuitiv zu erlernen wären und sie deshalb nicht genauer darauf eingehen würden, es gibt aber doch einige Bereich, die etwas besser ausgebaut sein dürften.

Über jedem Kapitel steht ein Zitat, das manchmal überhaupt nicht zum Thema passt, manchmal aber ganz genau. Vertraue Allah, aber binde dein Kamel an. Dieser Satz, der von einem anonymen Schreiberling stammen soll, steht über dem Kapitel Secure Shell. Aus meiner Sicht bilden diese Seiten Pflichtlektüre für jeden angehenden Administrators eines Linux-Servers. Das Kapitel ist nicht sehr lang, aber die wichtigsten Informationen sind da. Auch beispielsweise das Verwenden vom Public Key Verfahren und ssh.

Aufgefallen ist mir, dass es im Teil V einen Crashkurs für C und Perl gibt. Grundsätzlich ist es sicherlich spannend, in diese Programmiersprachen hineinzuschauen, ich frage mich aber, wie weit es sinnreich ist, dieses sonst schon zu umfassende Buch noch mehr aufzublasen. Das Inhaltsverzeichnis ist nicht nur lang, sondern auch sehr umfassend und meiner Meinung nach zu weit gefasst. Ich schlage daher vor, solche Teile in künftigen Auflagen zugunsten der Übersichtlichkeit und dem Gewicht und der Handhabung des Buches wegzulassen. In dieselbe Kategorie stecke ich den Bereich Programmierung. Natürlich gehört dieses Thema zu Linux. Aber wäre es nicht besser in einem eigenen Buch aufgehoben?

Hingegen ist das 24. Kapitel ein sehr spannendes und jenes gehört meiner Meinung nach unbedingt in dieses Buch. Darin geht es um die Netzwerksicherheit, aber auch um Monitoring und Überwachung im Allgemeinen. Nagios und Konsorten werden dort besprochen und die Informationen darin halte ich für grundlegend wichtig. Die nachfolgenden drei Kapitel sind zwar sehr spannend, aber ich würde sie – bis auf dasjenige der Dateisysteme – nicht mehr als Pflichtübung bezeichnen.

Linux – das umfassende Handbuch bietet sehr viele Inhalte rund um die Linux-Welt. Es gibt wohl kaum ein Bereich, der nicht zur Sprache kommt. Ich würde es inhaltlich eher etwas straffen; damit würde der Schinken auch etwas dünner und besser zu nutzen. Trotzdem halte ich das Buch für eine grossartige Leistung. Es ist als OpenBook bei Galileo kostenlos online zu lesen, oder im Handel für knapp 40 Euro oder 68 Franken erhältlich. Die ISBN-Nummer lautet für die 3. Auflage 978-3-8362-1483-4.

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2 Kommentare to “Linux – Das umfassende Handbuch”

  1. AndyNo Gravatar schrieb:

    Wenn dich das Thema Server-Monitoring interessiert, würde ich statt Nagios Munin empfehlen. Ist sehr einfach unter Debian zu installieren und es gibt viele gute Module dafür.

    Ich nutze Munin für das Monitoring meiner beiden Root-Server (hinsichtlich Details wie Status der Harddisks, Trafficverbrauch etc….).

  2. Dirk DeimekeNo Gravatar schrieb:

    @Andy: Das sind ja zwei verschiedene Seiten des Monitorings.

    Munin bereitet Werte grafisch auf (kann Nagios mittlerweile auch), aber Nagios prüft ob ein Service innerhalb definierter Parameter verfügbar ist.

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